Warum Menschen so viele Gesetze brauchen?

(Wenn Gesetze überflüssig werden)

Einleitung

In der Schweiz, wie in vielen anderen Ländern, sind die staatlichen Gewalten getrennt.

Sie alle haben mit dem Festsetzen von Gesetzen, deren Ausführen und Durchsetzen zu tun. Ohne Gesetzgebung kommt kein Staat und keine menschliche Gesellschaft aus.

Die Römer hatten schon ein weit ausgebautes Rechtssystem. Gesetze über chemische Substanzen und für den Bau elektrischer Apparate brauchten sie nicht. Sie kannten auch keine Normierungen beim Bau von Hochhäusern.

Den motorisierten Strassenverkehr hat noch um 1800 kein Gesetz geregelt, weil es ihn nicht gab. Gesetze für den Autobahnbau, den Flugverkehr, das Radio und Fernsehen, Schusswaffen, und viele andere Bereiche sind jünger als 100 Jahre. Sie müssen ständig angepasst werden, und es ist nötig, dass neue Verordnungen dazukommen.

I. Elementare Gründe, warum es Gesetze braucht.

A. Zum Schutz und zur Wohlfahrt des Menschen

Für Lawinenniedergänge und Vulkanausbrüche sind nicht Menschen schuld, ebenso wenig wie für Erdbeben. Es werden deshalb Baugesetze erlassen, die verbieten in einer Gefahrenzone zu bauen, damit niemand zu schaden kommt. Eine Gefahr übersehen ist nichts Böses, es gehört zum Mensch sein. Deswegen gibt es Vorschriften, die auf Gefahren aufmerksam machen und sie verhindern sollen.

Gefahrensignale: z.B.:

B. Wegen der Sündhaftigkeit der Menschen

Die überwiegende Menge aller Gesetze aber müssen wegen der Bosheit der Menschen erlassen werden. Warum braucht man ein Kartellgesetz, ein Militärgesetz, Gesetze gegen den unlauteren Wettbewerb, zum Schusswaffengebrauch, Erbrecht, Eherecht, eine Strafprozessordnung, die vielen Strafbestimmungen? Doch nicht weil die Menschen von Grund auf gute Kerle sind. Nein, wir sind egoistisch, habsüchtig, eigensinnig, rücksichtslos, etc.

1.Tim 1:8-10: Nicht Gerechte sondern Sünder brauchen ein Gesetz!

Und weil die Menschen so erfinderisch sind im Bösen, braucht es auch immer neue Gesetze.

Die Gesetze müssen angepasst werden, nicht weil neue Techniken und Erfindungen schlecht -, sondern weil die Menschen schlecht sind.


Bei den zwei folgenden Gründen für eine Gesetzgebung wollte Gott eine bestimmte Wirkung erzielen:

C. Erziehung im Alten Testament

Das Gesetz im alten Reich Israel hatte darüber hinaus auch den Zweck der Erziehung. Äussere Vorschriften sollten etwas Geistiges veranschaulichen. Dazu gehören alle religiösen und kultischen Gesetze. Totes berühren = unrein, kein Zutritt zum Tempel. Gemeinschaft mit Gott ist nur ohne Sünde möglich. Sündopfer = Stellvertretung, Tier stirbt an meiner Statt, weist auch auf Christi Opfer.

D. Die Sünde aufzeigen und verurteilen

Rö 7:7,8,11,13: ohne Gesetz ist eine böse Tat gar nicht als böse Tat zu erkennen. Diese Wirkung hat nicht nur das Gesetz Mose, sondern generell jedes Gebot. Zum Beispiel die Sünde im Paradies, oder das Gebot der Eltern keine Schokolade zu naschen, ohne die Erlaubnis – schlechtes Gewissen.

Je mehr ein Mensch auf Gesetze achtet, desto mehr merkt er wie oft er versagt. Ein Gesetz bewirkt "dass die Sünde über die Massen sündhaft werde". Jedes Gesetz, sei es das Alte Testament, das Gewissen oder das Gesetz eines Staates setzt nicht nur Normen, sondern verurteilt auch deren Übertretung. Gesetze haben die Wirkung, dass ich meine Sündhaftigkeit und Schuld erkenne und, dass sie mich verurteilen.

II. Die Beschränktheit aller Gesetzgebung

Nun wollen wir einige Schwachheiten und Nachteile aller Gesetzgebung aufzeigen:

III. Wohin Gesetzeseifer führen kann

Trotz aller Schwächen gesetzlicher Ordnungen, braucht sie die Welt. Eine mangelhafte Ordnung ist besser als gar keine. Darum verlangte Gott nicht nur von Juden Unterordnung unter das mosaische Gesetz, sondern Gott will, dass sich Menschen überhaupt den staatlichen Obrigkeiten unterordnen. Das heisst auch deren Gesetzen, denn das ist Gottes Ordnung. (Rö 13:1,2,4)

Die Beachtung der Gesetze ist unerlässlich. Dennoch kann Eifer für ein Gesetz, insbesondere im religiösen Bereich auch zu schlimmen Auswüchsen führen:

IV. Freiheit vom Gesetz

Wie können all die Probleme im Umgang mit Gesetzen beseitigt werden? Wie werden Gesetze geradezu überflüssig?

Dazu gibt es nur einen Weg! Aber dieser Weg ist nur möglich bei denen, die durch das Evangelium Christi zu neuen Menschen geworden sind.

Die Gesetze sollen nicht mehr von aussen als Forderung an den Menschen gestellt werden, sondern sie sollen in seinem Inneren sein. Sie sollen ihm ins Herz und in den Sinn geschrieben sein. Bei einer solchen "Gesetzgebung" wird ein Mensch nicht nur tun wollen was gut und recht ist, es wird ihm auch gelingen.

Zuvor muss ein Mensch aber dem Gesetz (Altes Testament oder überhaupt dem Anspruch nach Gerechtigkeit, die auch in anderen Gesetzen vorhanden sind, Ez 5:6,7) sterben.

Rö 7:4-6, gestorben, um in Neuheit des Geistes zu dienen.

Gottes Geist macht es uns möglich Gottes Willen zu wollen und zu tun. Das ist tätige Liebe, weil Gottes eigentliche Wesen Liebe ist.

Gott braucht im Verkehr mit seinem Sohn keine Gesetze, denn er liebt ihn, und der Sohn liebt den Vater. Liebe ist tausendmal besser als Gesetze. – Nein –, sie ist noch viel mehr. Liebe ist etwas Ganzes, Vollkommenes, aber Gesetze immer etwas Mangelhaftes, Bruchstückhaftes.

Jesus brachte daher die Freiheit vom Gesetz, für die welche ihn lieben.

Auch Jesus selbst war gegenüber dem Gesetz frei.

Jesus war einerseits dem Gesetz als Jude unterworfen. Er erfüllte alle Gesetzesforderungen. Er überbot sogar die Eiferer für das Gesetz (Mt 5.), aber daneben handelte Jesus auch als einer der über dem Gesetze stand und davon völlig unabhängig war. Das sehen wir an seiner Sündenvergebung; er behandelt sie als sein Recht und seine Macht.

Er verstand sich auch als Herr des Gesetzes. Denn sein Gehorsam wurde ihm nicht erst vom Gesetz abgenötigt. Er tat schon immer Gottes Willen, bevor es ein Gesetz gab. Seine Liebe zum Vater brachte es mit sich, dass er ohnehin tat, was im Gesetzbuch steht. Er handelte gehorsam, aber nicht weil er den Vater fürchten muss, sondern weil er Sohn ist. Gott will auch von uns nicht den Gehorsam eines Sklaven, sondern den Gehorsam eines Sohnes, der aus Liebe zum Vater kommt. So wie Christus frei von jeglichen gesetzlichen Vorschriften war, so auch Paulus und so auch Christen.

Ja – dann können wir machen, was wir wollen?

Wer das meint, hat mich nicht verstanden. Wer liebt, erfüllt jede Gesetzesnorm, die Gerechtigkeit fordert.

-Christen brauchen nur ein einziges Gebot:

Das Gebot der Liebe. Gal 5:1-6 (Vers 4 Gesetz ohne Artikel, bedeutet: ohne ein Gesetzessystem. Auch im Römerbrief, sind bei "Gesetz" menschliche Gesetze eingeschlossen). Paulus führt das Liebesgebot an als der erfolgreiche Weg.

-Christen benötigen auch nur ein Verbot:

Gal 5:13 Missbrauche die Freiheit nicht. Das tut die Liebe nicht. Die Verse 22-23 sagen gegen solche Dinge ist kein Gesetz. Das heisst kein Gesetz kann den, der liebt, der Ungerechtigkeit oder Gesetzesübertretung anklagen. Es ist das anklagende, feindliche "dagegen sein".

Schluss

Gesetze sind für Ungerechte. Mit Gesetzen vermag man böse Taten nur einzudämmen, zu verurteilen und zu bestrafen. Man kann aber damit keines Menschen Grundhaltung ändern. Was Gesetze nicht vermögen, das wird durch die göttliche Liebe erreicht. Gott liebt uns und gab uns deshalb seinen Sohn und seinen Heiligen Geist. Damit hat er seine Liebe, seine göttliche Wesensart in einem Menschen erzeugt und uns zu göttlicher Liebe befähigt.

Wir vermögen Gottes Wille zu tun, wenn wir uns Gott hingeben, wie er sich für uns hingegeben hat. Bei dieser Herzenshaltung, wollen wir den Willen Gottes tun, und dann werden Gesetze überflüssig.

Weil ich Gott liebe, brauche ich kein Gesetz, das mir verbietet einen Götzen anzubeten, und kein Gebot, Gott zu ehren.

Weil ich den Nächsten liebe, muss mir niemand vorschreiben, ich solle ihn nicht bestehlen, verleumden oder beneiden. Weil ich ihn liebe, will ich ihm Gutes und nichts Böses tun.


Für die Beziehung zwischen Freunden braucht es niemals Gesetze. Verliebte müssen keinen Verhaltenskodex aufstellen für ihre Beziehung. Weil sie lieben, sind sie um das Wohl füreinander besorgt.

Welches System möchtest du lieber wählen? Ein Gesetzessystem oder das System der Liebe um Gerechtigkeit zu erzielen? Das Neue Testament ist kein neues Gesetz für Christen, wie das alte für die Juden. Das "Gesetz Christi" ist das System der Liebe oder auch "Gesetz der Freiheit, - des Geistes und - des Glaubens" genannt. Nur mit Liebe kann man dem Anspruch der Menschen und Gottes genügen. Darauf kommt es an.

Bern im Okt. 99, © M. Kramer