Die Beschränktheit aller Gesetzgebung

Nun wollen wir einige Schwachheiten und Nachteile aller Gesetzgebung aufzeigen:

  • Wir haben schon gesagt, wie oft wegen der Entwicklung und technischer Fortschritte neue Gesetze nötig werden. Es ist geradezu so, dass Gesetzgebung immer erst eintritt, wenn schon eine grosse Ungerechtigkeit sich breit gemacht hat. Sie kommt in der Regel zu spät
  • Jede Gesetzgebung ist lückenhaft, weil man nicht alle Eventualfälle zum Voraus wissen kann.
  • Ein Gesetz kann im Widerspruch oder Konflikt zu einem anderen stehen, (ZB: Schmiergelder steuerlich abzugsfähig als Gewinnungskosten. Was einerseits verboten ist, wird andererseits geschützt.)
  • Das Gewissen als Gesetz ist eine variable Norm, bei jedem ein wenig anders. Ebenso uneinheitlich sind gesellschaftliche Normen, Gewohnheiten, Sitten. (Beachte: Das griechische Wort "Nomos", Gesetz, bedeutet auch Gewohnheit).
  • Gesetze haben zwar eine Schutzfunktion und sollen das Zusammenleben erleichtern, gleichzeitig sind sie aber auch oft hinderlich. Petrus nennt das Gesetz Mose ein Joch, eine Last, die niemand wirklich zu tragen vermochte. (Einhalten). Man war ihm wie ein Sklave ausgeliefert. Gesetze belasten und schränken die Freiheit ein.
  • Weder das Gesetz Mose noch ein anderes Gesetz vermögen Gerechtigkeit zu erzeugen. Das liegt nicht an den Vorschriften, sondern an der fleischlichen Natur des Menschen. Darum bleibt jedes Gesetzessystem für die Erzeugung der Gerechtigkeit und Veränderung des Menschen etwas Schwaches und letztlich Nutzloses.
  • Die Mehrheit aller Gesetzesverstösse, können in der menschlichen Gesellschaft nicht registriert und geahndet werden. Das führt oft zu bewusster Ignoranz der Gesetze: Strassenverkehr, Haschischkonsum, Diebstahl etc.
  • Der Gesellschaftsordnung durch Gesetze ist es eigen, dass sie manchmal ungerecht ist. Die einen werden benachteiligt, andere bevorzugt, z.B:
    • Steuergesetzgebung
    • Alkohol und Tabak sind gesellschaftlich etabliert; andere Drogen sind viel weniger schädlich, deren Konsum aber wird bestraft.
    • Raoul W. wenige Wochen mehr als 10 Jahre alt, in Handschellen mitten in der Nacht zu verhaften und zwei Monate einzusperren, ist kriminell. Eine Gesetzgebung, die kaum Rücksicht auf das Kindesalter nimmt, ist an sich ungerecht. Sie mutet einem Kind eine Verantwortung zu, die es nicht tragen kann. Ungerecht war die Behandlung Raouls auch, weil nicht er, sondern Erwachsene die Hauptverantwortung tragen.