Wer wach wird für den Glauben, hat meistens viele Fragen. Wie oft wurde Jesus mit Fragen bestürmt.

Im Lukas-Evangelium wird berichtet, wie sich ein Mann an Jesus wendet und fragt: “Herr, sind es wenige, die gerettet werden? Da sprach er zu ihnen: Ringet darnach, dass ihr durch die enge Türe hineingeht! Denn viele, sage ich euch, werden hineinzugehen suchen und es nicht vermögen.” (Luk. 13, 23-24)

Der Mann hatte eine dringende Frage, die ihn beschäftigte. Vielleicht hatte er sich schon lange damit befasst. Möglicherweise hatte er die Frage auch schon anderen kompetenten Leuten gestellt, und die Antwort hatte ihn nie befriedigt.

Die Frage war äusserst wichtig, drehte sie sich doch um ein Anliegen, das uns alle beschäftigen muss, die Rettung des Menschen.

Wer Augen hat für den Lauf der Welt, der muss stutzig werden und sich fragen, wo führt denn unser Leben hin? Ist der Tod denn wirklich das letzte? Was für eine Chance hat der Mensch angesichts seiner Vergänglichkeit und seiner Sünde? Wo kann er Rettung finden?

Die leichtfertigen Antworten, die so viele Menschen bereithalten, befriedigen nicht. Nun hatte er endlich Gelegenheit, diesem bekannten Lehrer seine Frage zu stellen. Möglicherweise wusste er schon einiges über die Rettung, und vor allem, dass es eine Rettung gab. Wie wird das sein mit der Rettung, werde ich dabei sein? Und so fragte er: Herr, sind es wenige, die gerettet werden?

Jesus hat auf seine Frage eine entschiedene Antwort, aber vielleicht hatte er sich die Antwort etwas anders vorgestellt. Jesus beantwortet die Frage in überraschender Weise so, dass man sich nicht mehr aus der Verantwortung stehlen kann.

Das Erste, was der Mann zu hören bekommt, ist eine Aufforderung: Ringet darnach…, das heisst, ringet danach gerettet zu werden. Das klingt nach Anstrengung und Mühe, nach Arbeit und Kampf. Wer ringt schon gern, wer ist bereit zu kämpfen bis an den Rand seiner Kräfte?

Ist es nicht so, dass wir immer nach etwas “Pfannenfertigem” Ausschau halten, nach dem Weg des geringsten Widerstandes? Viele Menschen hoffen immer noch auf ein Schlaraffenland. Aber das Leben sieht anders aus. Wo wir nicht gefordert werden, entwickeln wir keine Kraft und Erfahrung, wir bleiben stumpf und oberflächlich, ohne Verständnis für andere, ohne Mitgefühl.

Die Rettung für uns ist so angelegt, dass sie alle unsere Kräfte fordert. Die Rettung, die Gott geplant hat für uns, hat nicht weniger als die Hingabe des Lebens Jesu gekostet. Jesus musste sein Leben geben, damit unsere Sünde getilgt und wir die Gerechtsprechung aus Glauben erlangen konnten.

Es gibt sie, die enge Türe, die in das Reich Gottes führt. Jesus wollte zeigen, wir müssen uns von ganzem Herzen dafür einsetzen, Halbherzigkeit führt nicht ans Ziel.

Damit wir besser verstehen und erfassen, was Jesus meint, müssen wir weiterlernen, nachforschen, die Schrift noch gründlicher studieren, damit wir in der Erkenntnis wachsen.

Die Nachfolge Jesu war noch nie eine Massenbewegung, sondern immer eine Sache von persönlicher Hingabe, die nur denen gelingt, die bereit sind zu ringen.

Wer Jesus nachfolgen will, muss den Mut haben, aus der Masse herauszutreten. Er muss die trügerische Sicherheit der Masse verlassen und sich hinauswagen auf das Gebiet des Glaubens. Er muss Jesus mehr vertrauen als den Menschen.

An gutgemeinten Versuchen fehlt es nicht. Viele möchten gerne Jünger Jesu sein, aber ohne die Kosten dafür zu bezahlen. Alles hat seinen Preis. Wer die Anstrengung und Mühe scheut, bleibt unter den vielen, die es nicht vermögen.

Jesus wollte niemand entmutigen oder von der Nachfolge abschrecken. Im Gegenteil, er wollte uns einen heiligen Schrecken einjagen, damit wir realistisch werden und ernst machen mit unserer Entscheidung.

Die Rettung in Christus ist das Einzige, was unser Leben in Sicherheit bringen kann.

Wolfram Schrader