Was unterscheidet Christen von Nichtchristen im Alltag? Selbstverständlich an erster Stelle die Beziehung zu Christus. Christen glauben, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und dass er im Fleisch auf dieser Erde gelebt hat; sie glauben, dass er als Opfer für die Sünden aller Menschen gekreuzigt worden ist und am dritten Tag von den Toten auferstanden ist; Christen haben sich zur Vergebung der Sünden auf den Namen Jesu taufen lassen; sie folgen seinem Vorbild nach und erwarten seine Wiederkunft. Es gäbe noch vieles über die Beziehung eines Christen zu Jesus Christus zu schreiben. Hier möchte ich aber auf die Unterschiede zwischen Christen und Nichtchristen im Alltag eingehen.

Kleiden wir uns als Christen anders als Nichtchristen oder tragen wir Erkennungszeichen? Viele Christen hätten Schwierigkeiten zu beschreiben, wie sie sich von Nichtchristen unterscheiden, abgesehen davon, dass sie am Sonntag „in die Gemeinde“ gehen.

Lasst uns einen Abschnitt aus dem 1. Petrusbrief betrachten! Dieser Text erwähnt 7 Eigenschaften eines Christen im Alltag:
Endlich aber seid alle gleichgesinnt, mitleidig, brüderlicher Liebe, barmherzig, demütig, und vergeltet nicht Böses mit Bösem oder Scheltwort mit Scheltwort, sondern im Gegenteil segnet, weil ihr dazu berufen worden seid, dass ihr Segen erbt!“ (1. Petr. 3,8-9)

Ein bisschen umformuliert geht es um Einheit, Mitleid, Geschwisterliebe, Barmherzigkeit, Demut, nicht vergelten und segnen. In der heutigen Gesellschaft stehen solche Eigenschaften nicht hoch im Kurs. Menschen mit diesen Eigenschaften (eben wir Christen) gelten oft als langweilig, altmodisch, unselbständig oder primitiv.

Petrus tröstet seine Leser mit einem Zitat aus Psalm 34,13-17. In diesem Psalm Davids steht eine Verheissung:

Denn wer das Leben lieben und gute Tage sehen will, der halte Zunge und Lippen vom Bösen zurück, dass sie nicht Trug reden; er wende sich ab vom Bösen und tue Gutes; er suche Frieden und jage ihm nach! Denn die Augen des Herrn auf die Gerechten und seine Ohren auf ihr Flehen; das Angesicht des Herrn aber ist gegen die, welche Böses tun.“ (1. Petr. 3,10-12 / Ps. 34,13-17) Petrus fügt als allgemeine Erkenntnis hinzu, dass Menschen, die Gutes tun, kaum angegriffen werden: „Und wer wird euch Böses tun, wenn ihr Eiferer des Guten geworden seid?“ (1. Petr. 3,13)

Aus eigener Erfahrung wissen wir aber, dass Gutes Tun uns ausgerechnet zu einer Zielscheibe machen kann. Petrus verneint es nicht: „Aber wenn ihr auch leiden solltet um der Gerechtigkeit willen, glückselig !“ (1. Petr. 3,14a) Gutes Tun ist keine Garantie, dass wir als Christen nicht leiden werden. Die ursprünglichen Empfänger des Briefes hatten bestimmt eine ganz andere Vorstellung des Glaubenslebens. Vielleicht dachten sie sogar darüber nach, den Glauben aufzugeben, als sie sich von ihren Wunschvorstellungen des Glaubens verabschieden mussten.

Was ist dann die richtige Haltung? „Fürchtet aber nicht ihren Schrecken, seid auch nicht bestürzt, sondern haltet den Herrn, den Christus, in euren Herzen heilig!“ (1. Petr. 3,14b-15a) Petrus versucht nicht, die Nachteile, die man als Christ erleiden kann, weg zu erklären. Er entschuldigt sich auch nicht dafür. Zuerst schreibt er darüber, was man als Christ falsch machen könnte: sich fürchten oder befremdet sein. Was ist denn richtig? die Achtung vor Jesu behalten! So schnell neigen wir dazu, Jesus für unsere Probleme verantwortlich zu machen. Wir sollten ihm im Gegenteil in unseren Gedanken und Worten Ehre erweisen.

Oft vergessen wir, dass ausgerechnet unsere Leiden um der Gerechtigkeit willen dazu führen, dass Unterschiede zu Nichtchristen deutlich zum Vorschein kommen. Gerade in den Schwierigkeiten unterscheidet sich der Christ vom Nichtchristen. Der Christ hält an den 7 Eigenschaften aus 1. Petr. 3,8-9 fest.

Was bewegt einen Christen, eine Haltung zu pflegen, die ihm Nachteile einbringt? Der Christ findet Kraft dazu, weil er sich auf eine kostbare Hoffnung stützt. Dies entgeht einem aufmerksamen Beobachter nicht. Einige werden uns darüber fragen: „Seid aber jederzeit bereit zur Verantwortung jedem gegenüber, der Rechenschaft von euch über die Hoffnung in euch fordert, aber mit Sanftmut und Ehrerbietung!“ (1. Petr. 3,15b-16) Das sanfte Zeugnis eines Christen dringt in die Herzen der Zuhörer.

Sind Schwierigkeiten ein Grund, unsere Gott wohlgefällige Verhaltensweise aufzugeben? Nein! Wenn wir mit Ausdauer das Gute tun und dabei ein gutes Gewissen behalten, werden feindlich gesinnte Menschen früher oder später zugeben, dass sie im Unrecht waren: „Und habt ein gutes Gewissen, damit die, welche euren guten Wandel in Christus verleumden, darin zuschanden werden, euch Übles nachgeredet wird.“ (1. Petr. 3,16b)

Petrus spricht in diesem letzten Abschnitt nicht von Schlägen, Gefängnissen oder sonstigen grausamen Verfolgungen, sondern von Verleumdungen und üblen Nachreden. Sind es nicht genau die Leiden, mit denen wir in unserer heutigen Gesellschaft konfrontiert sind?

Lasst uns zu unserer Andersartigkeit um Christi willen stehen! Die Schwierigkeiten, die möglicherweise daraus entstehen werden, können bei anderen Menschen die grösste aller Veränderungen bewirken: die Entscheidung, Christ zu werden!
Olivier Cuendet