Krankheit kann uns düstere Zukunftsaussichten bescheren, besonders wenn eine Erkrankung unheilbar erscheint. Aussatz war zur Zeit Jesu eine gefürchtete Sache, die sogar den Ausschluss aus der Gesellschaft mit sich brachte, um die Ansteckungsgefahr zu vermeiden.

Beim Betreten eines Dorfes in Galiläa kamen Jesus zehn Aussätzige entgegen. Sie blieben in der Ferne stehen, um den gebührenden Abstand zu wahren. Da sie sich Hilfe von Jesus erhofften, riefen sie: Jesus, Meister erbarme dich unser!

In welchem Zustand befindet sich jemand, der um Erbarmen bittet? Er ist am Ende seiner Möglichkeiten und ganz auf die Hilfe anderer angewiesen. Es gibt Menschen, die viel zu stolz sind Erbarmen anzunehmen, denn das käme einer Kapitulation gleich. Aber diese Aussätzigen baten Jesus darum in ihrer Not.

Jesus nahm sich ihrer an und schickte sie zu den Priestern, denn der Priester musste prüfen, ob jemand tatsächlich vom Aussatz rein geworden war. Während die Zehn nun hingingen wurden sie geheilt. Was muss das bei ihnen für eine Freude ausgelöst haben von der Geisel des Aussatzes befreit zu sein. Wie tief war ihre Dankbarkeit für das Erbarmen, das Jesus ihnen erwiesen hat.

Wenn wir diesen Bericht lesen im Lukas 17:11-19 so werden wir wohl unsere Enttäuschung nicht verbergen können, denn nur einer von den Zehn kehrte um, um Jesus zu danken. Er hatte erkannt, dass hier Gottes heilende Kraft am Werk war.

Jesus stellte eine berechtigte Frage: Wo sind aber die neun? Haben sich keine gefunden, die zurückgekehrt wären, um Gott die Ehre zu geben…?

Was bedeutet Dankbarkeit? Dankbarkeit erwächst aus der Erkenntnis, dass es einen Geber gibt, der mich beschenkt hat. Es geht im Grunde genommen um die Frage: Wie betrachte ich mein Leben und alles, was zur Erhaltung und zum Wohlergehen des Lebens nötig ist? Ich kann es als Zufall betrachten, als Selbstverständlichkeit oder als mein gutes Recht. Damit würde sich auch die Dankbarkeit erübrigen.

Vieles betrachten wir in unserem Leben als unser Verdienst, unsere Gesundheit, unseren Lohn, unseren Besitz, unsere Freunde und so fort. Diese Sicht der Dinge hilft uns nicht, das Gut das wir besitzen gebührend zu schätzen und in das wahre Verständnis der Dinge einzudringen. Wir bleiben blind für Gottes Wirken.

Gott hatte das Volk Israel dahingehend gewarnt, indem er sagte: “… dass du nicht bei dir selber sprechest: Meine Kraft und die Stärke meiner Hand hat mir diesen Reichtum erworben. Gedenke vielmehr des Herrn, deines Gottes, denn er ist es der dir Kraft gibt, Reichtum zu erwerben..”. 5. Mose 8:17-18

Dankbarkeit wird zum Prüfstein für unser Leben. Ein ganzes Leben lang nehmen wir Gottes Brot in Anspruch, seinen Sonnenschein und seinen Regen, seine Langmut, seine Kraft und Güte. Ja, Gott bietet uns noch viel mehr! Er bietet uns das Vorbild und Opfer seines Sohnes, sein Königreich als Ort der Sicherheit, die Zugehörigkeit zur himmlischen Familie, seinen heiligen Geist, das ewige Leben und vieles mehr.

Wollen wir das alles in Dankbarkeit annehmen und daran erkennen, dass Gott uns liebt, oder wollen wir in unserer Blindheit verharren und stumpf und unempfindlich der Güte Gottes gegenüber bleiben?

Gott ist ein persönlicher Gott, er gibt sich uns deutlich zu erkennen durch sein Wort in der Bibel, durch das Zeugnis über seinen Sohn. Gott gebührt die Ehre und unser Dank.

Ohne den gebührenden Dank an Gott ist unser Leben nichts wert. Ohne Dankbarkeit finden wir keinen Zugang zu Gott, aber der Weg ins Verderben ist mit Undank gepflastert. Dankbarkeit macht aus uns das, wozu wir geschaffen wurden – Geschöpfe zur Ehre Gottes.

Wolfram Schrader