Ist dir schon mal in Bezug auf deinen Glauben an Christus Gesetzlichkeit vorgeworfen worden? Das hört keiner gern, weil das Etikett „gesetzlich“ nicht gut ist. Wie können wir uns überprüfen, ob der Vorwurf stimmt oder nicht? Was ist dann Gesetzlichkeit?

Leider können wir von Gottes Wort her den Begriff „Gesetzlichkeit“ nicht untersuchen, denn er kommt in der Bibel nicht vor. Etwas können wir aber doch von vornherein ausschliessen: das Einhalten von Gottes Geboten, welche Jesus und seine Apostel uns überliefert haben, darf nicht als „Gesetzlichkeit“ ausgelegt werden, denn Jesus selbst sagt:

„Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten…“ (Joh. 14,15). Und die letzte Anweisung Jesu an seinen Apostel lautete: „Geht hin und machet alle Völker zu Jüngern indem ihr sie tauft…, und lehrt, alles zu halten, was ich euch geboten habe!“ (Mat. 28,19).

Wenn wir nicht Jesus selbst Gesetzlichkeit vorwerfen wollen, dann müssen wir einsehen, dass die Gebote Gottes erkennen und einhalten zu wollen, noch lange nicht Gesetzlichkeit ist. Ganz im Gegenteil: das ist, wie wir Gott lieben! Wir machen uns aber der Gesetzlichkeit schuldig, wenn wir Gottes gute Gebote missbrauchen bzw. falsch anwenden.

Es gibt mehrere Fälle in den Evangelien, wo Jesus seine Volksgenossen zurechtwies, weil sie Gottes Gebote missbrauchten und ein gesetzliches Verhalten an den Tag gelegt haben: z.B. in Markus 3,1-6 (bitte lesen!).

Gott hat den Israeliten ein einfaches Gebot gegeben: sie sollten den Sabbat heiligen, indem sie am 7. Tag keine Arbeit verrichten. Als Arbeit hat Gott lediglich Feldarbeit, Holzsammeln und Feuermachen (Kochen) definiert. Wieso diese Dinge? Das waren damals die Alltagsarbeiten von Männern, Frauen und Kindern. Gottes Absicht mit dem Sabbatgebot bestand wohl darin, dass die ganze Familie den Tag frei nimmt, um sich zu erholen und einander zu geniessen: „Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen worden und nicht der Mensch um den Sabbats willen!“ (Mk. 2, 27).

In den Tagen Jesu hatten die Juden diesen Grundsatz umgedreht. Sie hatten eine lange Liste von Tätigkeiten zusammengestellt, welche sie als „Arbeit“ definierten, u.a. Heilen – und wehe dem Menschen, der eine ihrer Vorschriften übertrat!

Gott hat nie befohlen, am Sabbat nicht zu heilen. Gott hat nie gesagt, Du darfst nicht Gutes tun oder ein Werk der Barmherzigkeit am Sabbat ausüben – das „Heilungsverbot kam nicht von Gott, sondern von Menschen. Jesus brachte es auf den Punkt: „ihr hebt das Gebot Gottes auf, damit ihr eure Überlieferungen haltet.“ (Mk. 7,9). Das ist eine Form von Gesetzlichkeit: Menschengebote als Gottesgebote darzustellen.

Jesus lies Barmherzigkeit walten und tat etwas Gutes, indem er die Hand dieses Mannes in der Synagoge am Sabbat heilte. Barmherzig sein ist auch ein Gebot Gottes und zwar ein Wichtiges. Jesus zählte Barmherzigkeit zusammen mit Gerechtigkeit und Glauben zu den wichtigeren Dingen des Gesetzes (Mt. 23,23). Dennoch hielten die Schriftgelehrten sehr wenig von Barmherzigkeit und hielten sich stur und rechthaberisch an ihre eigenen Sabbatregeln. Auch eine Form von Gesetzlichkeit ist, wenn wir Gottes Gebote ganz anders gewichten als Gott. Jesus zitierte den Propheten Hosea: „Wenn ihr aber erkannt hättet, was das heisst: Ich will Barmherzigkeit und nicht Schlachtopfer, so würdet ihr die Schuldlosen nicht verurteilt haben.“ (Mt. 12,7). Ja, Schlachtopfer war ein Gebot Gottes, aber Barmherzigkeit ist ihm noch wichtiger!

Bei dieser Auseinandersetzung wird ersichtlich, wie Gesetzlichkeit das zwischenmenschliche Klima verdirbt. Diese Pharisäer lauern auf Jesus. Sie suchen nach Fehlern, um ihn anzuklagen. Als Jesus ihnen eine einfache Frage stellt, schweigen sie. Sie haben Angst, einen Fehler zu machen. Am Schluss wollen sie Jesus umbringen. Hat Gott nicht irgendwo gesagt: „Du sollst nicht töten!“. Wäre das nicht eins der wichtigeren Gebote?

Eine dritte Form der Gesetzlichkeit kommt erst durch das Evangelium ganz deutlich zum Vorschein. Die Frohe Botschaft von der Gnade Gottes ist, dass Gott alle Menschen als seine Kinder aufnehmen will, wenn sie sich seinem Sohn anvertrauen. Wenn wir Jesu Herrschaft anerkennen und uns ihm unterstellen, indem wir uns mit ihm in der Taufe verbinden lassen, dann gehören wir Gott und haben die Verheissung des ewigen Lebens. Dieses Evangelium zu glauben und gehorchen rettet uns und versetzt uns in das Reich Gottes.

Irgendwelche zusätzlichen Gebote oder Werke dem Evangelium Jesu Christi anzuhängen, wäre Gesetzlichkeit.

„Wir wissen, dass der Mensch nicht aus Gesetzeswerken gerechtfertigt wird, sondern nur durch den Glauben an Christus Jesus.“ (Gal 2,16).

Wer aber durch das Einhalten von Geboten die Aufnahme bei Gott verdienen will, dem gilt: „Ihr seid von Christus abgetrennt, die ihr im Gesetz gerechtfertigt werden wollt; ihr seid aus der Gnade gefallen.“ (Gal. 5,4).

Sollen wir die Gebote Gottes noch halten? Natürlich – das ist, wie wir Gott lieben. Gesetzlich wird es erst dann, wenn wir meinen, Gottes Gebote halten zu müssen, damit er uns zuerst liebt!

 

Oder, wenn wir seine Gebote mit unseren Zusatzregeln nachbessern wollen. Oder, wenn wir vor lauter Vorschriften die wichtigeren Dinge der Schrift nicht mehr sehen.

                        David Tarjan