„Abraham!“ rief Gott. „Hier bin ich!“ antwortete Abraham. „Nimm deinen Sohn, deinen einzigen, den du lieb hast, den Isaak und opfere ihn als Brandopfer“, sprach der Herr.

Wie Abraham zumute war; was ihm durch den Kopf ging; was für ein Bauchgefühl er hatte – wissen wir alles nicht. Wahrscheinlich schlief er nicht gut, denn am nächsten Tag stand er früh auf, spaltete Holz fürs Brandopfer, sattelte seinen Esel, nahm seine beiden Knechte und seinen Sohn Isaak und machte sich auf den Weg nach dem Berg, den Gott ihm zeigen würde. Ist es den drei jungen Männern aufgefallen, dass Abraham weder Opfertier noch einen Bogen, um welches zu erlegen, dabei hatte?

Nach drei Tagen sagte Abraham zu seinen Knechten, dass sie zurückbleiben sollten während er und sein Sohn anbeten gehen. Die beiden könnten ihn ja von seinem Vorhaben abhalten. Er legte das Brandholz auf Isaak während er das Feuer und das Messer in die Hand nahm.

Vater und Sohn waren eine Weile miteinander gegangen als Isaak die Stille brach: „Mein Vater!“ „Hier bin ich mein Sohn“, sagte Abraham. „Wir haben Feuer und Holz, aber wo ist das Schaf zum Brandopfer?“ Da sagte Abraham: „Gott wird das Brandopfer geben, mein Sohn.“ Sie gingen beide miteinander weiter.

Angekommen an den Ort, den Gott bestimmt hatte, baute Abraham einen Altar und schichtete das Holz auf.

Dann band er seinen Sohn Isaak…

…und legte ihn auf den Altar oben auf das Holz…

…streckte seine Hand aus und nahm das Messer…

„Abraham, Abraham!“ rief ihm der Engel des Herrn vom Himmel her zu. „Hier bin ich!“ sprach Abraham. „Tu dem Jungen nichts! Jetzt habe ich erkannt, dass du Gott fürchtest, dass du deinen Sohn mir nicht vorenthalten hast“, sprach der Engel des Herrn.

Das muss zuerst verdaut werden – und dann noch dreimal leer geschluckt werden. Würde ich das tun können? Wer könnte sein einziges Kind opfern … nicht töten, umbringen oder ermorden wohlbemerkt, sondern auf Geheiss Gottes opfern? Genau das hat Gott selbst 2000 Jahre nach Abraham für uns getan, aber könnte ich es für Gott tun? Wie konntest Du Abraham?

Die Antwort finden wir im Hebräerbrief: „Durch Glauben hat Abraham, als er geprüft wurde, den Isaak dargebracht, und er, der die Verheißungen empfangen hatte, brachte den einzigen Sohn dar, über den gesagt worden war: «In Isaak soll deine Nachkommenschaft genannt werden»,  indem er dachte, dass Gott auch aus den Toten erwecken könne…“ (Heb 11:17-19).

Abraham liebte Isaak. Er war ein Geschenk Gottes; noch mehr ein Wunder Gottes – geboren von einer 90 jährigen Mutter! Isaak war eine Verheissung Gottes: er war Abrahams Zukunft. Aus ihm soll ein Volk entstehen, das Segen für die ganze Menschheit bringt. Wie könnte Gott Isaak vorzeitig zurück verlangen? Das macht keinen Sinn. Das geht nicht auf!

Auf der andern Seite war es Gott, der die Verheissung gab, das Wunder ermöglichte und den Isaak schenkte. Soll Abraham Gott nicht weiter vertrauen und Isaak ihm zurückgeben, wenn er danach verlangt? Kann es sein, dass Gott ein Opfer zurückgeben könnte… sogar den Tod rückgängig machen könnte?

Von einer Auferstehung hat Abraham aber nie gehört. Dass eine 90 jährige Frau einen Sohn gebärt, war ihm aber auch unbekannt. Abraham entschied sich, Gottes Willen zu tun. Nicht weil er ihn gut fand; nicht weil er ihn verstand; nicht aus blindem Gehorsam – aus Glauben!

Abraham hatte schon viel mit Gott erlebt. Er hatte die Erfahrung gemacht: Gott kann man vertrauen. Er ist glaubwürdig. Aus Treue war Abraham bereit, Gott zu gehorchen und seinen geliebten Sohn zu opfern; aus Gottes Treue empfing er Isaak zurück. Sein Glaube wurde gestärkt.

Hast Du erfahren, was Gott schon für dich getan hat? Bevor Du irgendetwas für ihn getan hattest, opferte er seinen Sohn, seinen einzigen, den er liebte, um deine Verfehlungen zu vergeben. Ist Gott für dich glaubwürdig?

Der Römerbrief enthält einen Begriff, den es sonst nirgendwo in der ganzen antiken griechischen Literatur gibt. Paulus selbst hat wohl die Redewendung geprägt und er verwendet sie gleich zweimal in seinem Brief an die Römer: am Anfang (1,5) und am Ende (16,26). Der Begriff heisst „Glaubensgehorsam“.

Er schreibt, dass der Zweck des Evangeliums, der Predigt von Jesus Christus und seines Aposteldienstes ist, Glaubensgehorsam unter allen Nationen zu erzeugen.

Ja, wir sind durch Glauben gerettet. Die Gute Nachricht vom Leben, Opfertod und der Auferstehung Jesu Christi ist Gottes Kraft, die uns rechtfertigt und heiligt, wenn wir auf das, was Gott in seinem Sohn für uns getan hat, vertrauen.

Aber Gott will auch, dass wir seinen Willen tun. Das wir ihm gehorchen. Nicht aber aus Angst, Pflicht oder Gesetz; auch nicht aus blindem Gehorsam. Gott will ein Gehorchen, das aus vertrautem Glauben entspringt: Hier bin ich; ich höre! Wie Abraham eben: Glaubensgehorsam.

David Tarjan