In seinem ersten Brief wendet sich Petrus an Christen, die wegen ihres Glaubens zu leiden hatten. Petrus betont im ersten Kapitel die Hoffnung auf die zukünftige Rettung in Christus. Dieses Thema bringen wir mühelos in Verbindung mit der Situation der Empfänger des Briefes: Aus der Hoffnung auf die Rettung schöpfen sie ja die Kraft, in ihrer schwierigen Lage durchzuhalten.

Petrus vermittelt seinen Lesern ein breites Fundament, damit sie in schwierigen Zeiten bestehen können, und führt dabei grundlegende Themen ein, wie die Geburt bzw. die Wiedergeburt: „Gepriesen sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus, der […] uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung“ (1. Petr. 1,3-ELB) und „Denn ihr seid wiedergeboren nicht aus vergänglichem Samen, sondern aus unvergänglichem, durch das lebendige und bleibende Wort Gottes.“ (1. Petr. 1,23-ELB).

Petrus ist es unter der Leitung des Heiligen Geistes wichtig, dass die Empfänger seines Briefes sich auf ihre Wiedergeburt zu einem neuen Leben in Christus besinnen. Diese Wiedergeburt ist das Werk Gottes (1. Petr. 1,3) und stellt einen geistlichen Vorgang dar, der durch das Wort Gottes in Bewegung gebracht wird (1. Petr. 1,23). Aus dem Zusammenhang erkennt man, dass diese Wiedergeburt sich auf die Bekehrung zu Jesus bezieht.

Um ihrem Wesen als Kinder Gottes Ehre zu erweisen, sollen die Empfänger des Briefes aktiv werden: „Darum legt alle Bosheit und allen Betrug ab, alle Heuchelei, allen Neid und alle Verleumdung! Genauso, wie ein neugeborenes Kind auf Muttermilch begierig ist, sollt ihr auf Gottes Wort begierig sein, auf diese unverfälschte Milch, durch die ihr heranwachst, bis das Ziel, eure endgültige Rettung, erreicht ist. Ihr habt von dieser Milch ja schon getrunken und habt erlebt, wie gütig der Herr ist.“ (1. Petr. 2,1-3-NGÜ)

Dass Christen sich von sündigen Verhaltensweisen reinigen sollen, überrascht uns nicht. Die zweite Aufforderung des Petrus an seine Leser besteht darin, ein Verlangen nach geistlicher Milch zu pflegen. Möglicherweise waren die ursprünglichen Empfänger des Briefes nicht lange im Glauben und werden deswegen mit einem neugeborenen Kind verglichen. Das Bild behält aber seine Gültigkeit für alle Christen, auch für uns.

Petrus schreibt in diesem kurzen Text darüber, wie ein Christ nach geistlicher Milch streben soll, wie diese geistliche Milch beschaffen ist und wozu die Aufnahme dieser Milch führt. Lasst uns diese Punkte nacheinander betrachten!

Begierig sein

Wie ein Säugling ein dringendes Verlangen nach Muttermilch hat, sollen wir Christen nach geistlicher Milch streben. Die Aufnahme dieser geistlichen Nahrung soll uns ein Grundbedürfnis sein!

Geistliche Milch

Muttermilch wird dem Säugling unverarbeitet und unvermischt gegeben. Als Christen sollen wir uns keine verfälschte geistliche Nahrung andrehen lassen.

Die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) bezeichnet diese geistliche Milch als „Gottes Wort“. In anderen Übersetzungen ist allein die Rede von der „vernünftigen“ Milch. Der entsprechende Begriff im Urtext lautet „logikos“. Darin erkennen wir die Wortfamilie von „logos“ (das Wort). Somit ist die Übersetzung mit „Wort Gottes“ durchaus berechtigt.

Wie die Muttermilch enthält das Wort Gottes alle zum Leben notwendigen Nährstoffe. Auch Trost finden wir im Wort Gottes, wenn wir zum Beispiel aus Glaubensgründen Nachteile erleiden müssen, wie die ursprünglichen Empfänger dieses Briefes.

In der Gemeinde schenkt uns Gott Geschwister, die uns aus dem Wort belehren. Bestimmt können sie eine grosse Hilfe sein, um geistliche Nahrung besser aufnehmen zu können, aber sie können die persönliche Auseinandersetzung mit dem Wort Gottes nicht ersetzen.

Heranwachsen

Wie ein Säugling durch die Aufnahme der Muttermilch wächst, so wächst ein Christ durch die Aufnahme der geistlichen Milch. Petrus erklärt aber nicht, was genau bzw. welche Eigenschaften in uns wachsen sollen. Geistliches Wachstum ist ein geheimnisvoller Vorgang. Auch wenn wir uns viele Gedanken über geistliches Wachstum machen, können wir es nur sehr bruchstückhaft erfassen. Die Beurteilung und das Wirken des Wachstums müssen wir Gott überlassen, wie Paulus es den Christen in Korinth erklärte: „Ich habe gepflanzt, Apollos hat begossen, Gott aber hat das Wachstum geschenkt. Auf wen kommt es denn nun an? Doch nicht auf den, der pflanzt, oder auf den, der begiesst, sondern auf den, der das Wachstum schenkt, auf Gott.“ (1. Kor. 3,6-7-NGÜ)

Geistliches Wachstum geht mit dem Wandel in Christus Hand in Hand. Wer dieses Wachstum verwirft, setzt seine Rettung aufs Spiel. Aber so lange wir geistliche Nahrung eifrig zu uns nehmen und für das Wirken des Heiligen Geistes in uns offen sind, müssen wir uns keine Sorge über geistliches Wachstum machen. Es wird von selbst geschehen – wie bei einem Säugling.

Petrus schliesst diesen kurzen Abschnitt über die geistliche Milch mit einer Selbstverständlichkeit, die wir aber immer wieder hören müssen: Die geistliche Milch schmeckt wunderbar! Sie wird uns in Fülle von dem geschenkt, der uns liebt und für uns nur das Beste will, unserem himmlischen Vater. Seine Gnade ist überwältigend!

Olivier Cuendet