Gemäss dem amerikanischen Forschungsinstitut Millward Brown ist „Apple“ die zweitwertvollste Marke der Welt. Für diejenigen, die mit Apple nicht vertraut sind: Es ist die kalifornische Firma hinter elektronischen Geräten wie iPhone, iPad, iMac, usw.

Warst du schon einmal in einem Apple-Laden? Einige wenige dieser Läden habe ich in verschiedenen Städten gesehen. Sie sehen verblüffend ähnlich aus: am Eingang hängt ein übergrosser angebissener Apfel als Logo; rund herum an den Wänden hängen riesige beleuchtete Werberahmen mit den unverwechselbaren Produkten der Firma; grosse Tische sind aufgestellt mit allerlei Apple-Geräten zum Anfassen.

Stellt euch mal vor, dass Unordnung in einen dieser Läden einbricht. In einer Ecke werden hausgemachte Marmeladen angeboten. Die Angestellten geniessen einen Kaffee draussen am Strassenrand. Die Plakate machen Werbung für eine politische Partei und die grossen Tische sind alle leer. Schockierend, nicht wahr?

Jetzt wechseln wir die Szene. Wir bewegen uns auf die Insel Patmos und bedenken, was ein alter Mann im Exil von seinem Lehrmeister hört und sieht. Dieser alte Mann ist der Apostel Johannes. Der Lehrmeister ist Jesus, der auferstandene Herr in Herrlichkeit. In den Kapiteln 2 und 3 der Offenbarung sind sieben Schreiben des Herrn Jesus an sieben Ortsgemeinden in der heutigen West-Türkei überliefert.

Jesus spricht jede einzelne dieser sieben Gemeinden mit „du“ an. Wenn bei diesen Gemeinden alles ganz in Ordnung wäre, hätte dieses „du“ keine besondere Brisanz. Aber gerade, Jesus hat bei den meisten dieser Gemeinden etwas zu bemängeln.

„Ich kenne deine Werke“ – so beginnt Jesus seine Botschaft an fünf dieser sieben Gemeinden. Danach geht Jesus auf Einzelheiten ein. Bei den anderen zwei Gemeinden sagt er „ich kenne deine Bedrängnis“ und „ich weiss, wo du wohnst“. Jesus weiss bis ins letzte Detail Bescheid. Anderes ist auch nicht zu erwarten: Er ist der allmächtige Herr über Himmel und Erde (Mt. 28,18).

Hier geht es mir nicht darum, die einzelnen Kritikpunkte des Herrn an die sieben Gemeinden der Offenbarung durchzunehmen. Dafür wollen wir uns mal vorstellen, was es heisst, Glied einer Gemeinde zu sein, die Jesus kollektiv als eine Einheit betrachtet!

In unserer individualistischen Gesellschaft tun wir uns schwer mit einer kollektiven Beurteilung. Aber in der Gemeinde ist es der Wille des Herrn, dass jedes Glied eine Teilverantwortung für das Wohl der ganzen Gemeinde übernimmt. Die Gemeinde soll als Leib funktionieren (1. Kor. 12,12-27). Kein Glied darf denken „wie es der Gemeinde geht, ist mir egal.“ Wenn ich als Fuss nicht zur Beweglichkeit des Leibes beitrage, leidet der ganze Leib darunter. Die Hingabe jedes Gliedes zugunsten des Leibes sollte eine Selbstverständlichkeit sein.
Jesus fordert vier der sieben Gemeinden der Offenbarung auf, Busse zu tun. Wie kann eine Gemeinde kollektiv Busse tun? Und wenn ein einzelnes Glied gar nicht an den Mängeln dieser Gemeinde schuld ist? Jesus möchte, dass alle Glieder an der Gesundung einer kranken Ortsgemeinde mitwirken. Wenn eine Ortsgemeinde leidet, sollen sich alle ihre Glieder angesprochen fühlen.

Kommen wir auf das Beispiel des unordentlichen Apple-Ladens zurück! Wenn die Apple Marke dort nicht mehr erkennbar ist, hat dieser Laden seine Existenzberechtigung verloren. Gleicherweise drohte Jesus der Gemeinde in Ephesus, dass ihr Leuchter [als Symbol für die Gemeinde] von seiner Stelle weggerückt wird, wenn diese Gemeinde nicht Busse tut und nicht zu den Werken ihrer ersten Liebe zurückfindet (Off. 2,5). Eine Ortsgemeinde, wo das Wesen Christi nicht mehr erkennbar ist, wird nicht lange bestehen.

Durch die Taufe fügt Jesus seine Nachfolger als Glieder seinem Leib hinzu (1. Kor. 12,13). Als Leib Christi sollen wir kollektiv wirken (Eph. 4,11-13). Die Gemeinde ist aber viel mehr als ein Apple-Laden: Wir sind die Gemeinde des lebendigen Gottes! Und unser Ziel ist nicht, so viele Waren wie möglich in den Markt abzusetzen. Wir sollen das Wesen Jesu widerspiegeln und die Rettung aus der Verlorenheit der Sünde verkündigen.

Auch wenn das Kollektive eine grosse Rolle spielt, bleibt die Rettung eine Angelegenheit des Einzelnen. In jedem der sieben Schreiben in der Offenbarung spornt Jesus die einzelnen Glieder der Gemeinden an, individuell zu überwinden. Er verspricht wunderbare Verheissungen, wie zum Beispiel: „Wer überwindet, dem werde ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, welcher in dem Paradies Gottes ist“ (Off. 2,7 – siehe auch die Verheissungen in Off. 2,11.17.26; 3,5.12.21).

Olivier C.