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Das 80/20-Prinzip
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Hast du schon vom 80/20-Prinzip gehört? Wenn nicht, versuche ich es jetzt kurz zu erklären. Nehmen wir an, dass du 10 Stunden brauchst, um eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Das 80/20-Prinzip besagt, dass 80% der Aufgabe mit nur 20% des Aufwandes, d.h. 2 Stunden, erledigt werden. Natürlich reden wir hier von einem Erfahrungswert oder einer Faustregel und nicht von einem Naturgesetz.
 
Persönlich habe ich festgestellt, dass dieses Prinzip bei vielen Haushaltsaufgaben zur Anwendung kommt. Zum Beispiel bringe ich locker 80% des Staubes in 20% der Zeit weg. Wenn es aber darum geht, die letzten Staubkörnchen hinter jedem Bilderrahmen zu entfernen, komme ich viel langsamer voran (d.h. mit einem grossen Aufwand erreiche ich nur ein geringes Ergebnis). So ist es naheliegend, die Sauberkeitsziele ein bisschen nach unten zu schrauben, um sich einen verhältnismässig grossen Aufwand zu ersparen. Ist es eine gute Haltung? In gewissen Situationen, ja. Aber in anderen, definitiv nein.
 
In der Bibel setzt Gott viele Ziele für uns Menschen. Oft sind diese Ziele mit einem sehr grossen Aufwand verbunden. Hier ist ein Beispiel: "Als Kinder des Gehorsams passt euch nicht den Begierden an, die früher in eurer Unwissenheit <herrschten>, sondern wie der, welcher euch berufen hat, heilig ist, seid auch ihr im ganzen Wandel heilig! Denn es steht geschrieben: 'Seid heilig, denn ich bin heilig,'" (1. Petr. 1,14-16)
 
Im ganzen Wandel heilig... Es ist doch ein Ding der Unmöglichkeit! Leider stimmt es. Wir können aber getrost sein; Gott selbst weiss, dass wir zu dieser Vollkommenheit nicht fähig sind. Damit wir doch vor ihm bestehen können, spricht er uns in seinem Sohn gerecht: "denn alle haben gesündigt und erlangen nicht die Herrlichkeit Gottes und werden umsonst gerechtfertigt durch seine Gnade, durch die Erlösung, die in Christus Jesus ist." (Röm. 3,24). In seiner Gnade macht uns Gott fähig zur Gemeinschaft mit ihm trotz unseren Sünden.
 
Die Vollkommenheit, die Gott als Ziel setzt, erweist sich leider für uns schwache Menschen als unerreichbar. Aber Gott füllt unseren Mangel an Vollkommenheit aus. Angesichts dieser Situation kann ich mich fragen, ob ich meine geistlichen Ziele ein bisschen nach unten anpassen könnte. In der Sprache des 80/20-Prinzips würde es etwa heissen: Darf ich mich mit 80% Heiligkeit zufrieden geben (100% werde ich sowieso nie erreichen)? Als Nebenerscheinung ergäbe sich daraus, dass ich nur noch 20% des Aufwandes aufbringen müsste.
 
Möglicherweise denkst du nicht so (vielleicht, weil du vom 80/20-Prinzip nie gehört hast). Ich wage aber zu behaupten, dass jeder von uns gerade auch im Glauben mehr oder weniger nach dem 80/20-Prinzip zu leben neigt. Ein Beispiel? Im Epheserbrief schreibt Paulus von der "Waffenrüstung” des Christen (Eph. 6,14-17). Dazu gehören die Wahrheit (als Lendengurt), die Gerechtigkeit (als Brustpanzer), die Bereitschaft zur Verkündigung des Evangeliums (als Schuhwerk), der Glaube (als Schild), das Heil (als Helm) und der Geist (als Schwert). Wie schnell sind wir versucht, uns eine kleine Pause in unserem geistlichen Kampf zu gönnen und einen Teil unserer Rüstung kurz auf die Seite zu legen (eine kleine Lüge, ein bisschen Unglaube, eine geringe Ungerechtigkeit, usw...). 80% geistliche Schlagkraft sind ja genug, meinen wir vielleicht... Und es ist so aufwendig, jederzeit diese Waffenrüstung tragen zu müssen... Wenn wir aber Kompromisse in bezug auf unsere Waffenrüstung eingehen, gehen wir ein Risiko ein. Paulus schrieb nicht umsonst an die damaligen Glieder der Gemeinde in Ephesus: "Deshalb ergreift die ganze Waffenrüstung Gottes, damit ihr an dem bösen Tag widerstehen und, wenn ihr alles ausgerichtet habt, stehen <bleiben> könnt! Eph. 6,13)
 
Umgekehrt, wenn ich den Zielen Gottes ohne Rücksicht auf den Aufwand nachjage, kann ich auf grosse Verheissungen blicken. Lasst uns das Vorbild Jesu betrachten. Jesus sagte über sich selber: "Und der mich gesandt hat, ist mit mir; er hat mich nicht allein gelassen, weil ich allezeit das ihm Wohlgefällige tue.” (Joh. 8,29) Jesus tat allezeit das, was Gott gefiel, auch wenn es mit einem grossen Aufwand verbunden war. Für Jesus kam es nicht in Frage, nur 80% der Zielvorgaben Gottes zu erreichen. Damit hätte er sich vielleicht die Kreuzigung ersparen können, aber seine Beziehung zu Gott wäre kaputt gegangen. Um seine Beziehung zu Gott nicht aufs Spiel zu setzen, war Jesus bereit, jeglichen Aufwand auf sich zu nehmen, bis hin zur Kreuzigung. Jesus wusste, dass sein Leben Gott gefiel, d.h. dass er die Ziele Gottes erfüllte, und hatte aus diesem Grund eine grosse Zuversicht. Er wusste, dass Gott bei ihm war und ihn nicht verlassen würde. Auch wir können diese Zuversicht haben, wenn wir das tun, was Gott wohlgefällt.
 
Wenn wir das tun, was Gott gefällt, haben wir eine andere grosse Verheissung: "Geliebte, wenn das Herz <uns> nicht verurteilt, haben wir Freimütigkeit zu Gott, und was immer wir bitten, empfangen wir von ihm, weil wir seine Gebote halten und das vor ihm Wohlgefällige tun.” (1. Joh. 321-22) Wer möchte nicht, dass seine Gebete erhört werden? Johannes gibt uns das Rezept dazu: das tun, was Gott gefällt!
 
Das 80/20-Prinzip mag hilfreich sein, um Haushaltsziele zu setzen. Aber wir sollen uns davor hüten, dass es in unser Glaubensleben Einzug nimmt! Was die Heiligung anbelangt, lassen wir uns nicht vom 80/20-Prinzip verführen! Die Ziele, die Gott uns setzt, sind notwendig. Im Kampf gegen das Böse können wir uns nicht halbherzige Ziele setzen. Im Glauben gilt das 100/100-Prinzip. Wenn wir die Ziele Gottes erreichen möchten, sollen wir auch bereit sein, den nötigen Aufwand auf uns zu nehmen. Jesus hat sich nicht verschont, um die Ziele, die Gott für ihn gesetzt hatte, zu erreichen und seine Belohnung war gross. Wir können auch auf eine grosse Belohnung schauen: das ewige Leben.
 
 
Olivier Cuendet
 

 


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