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Kann ich auch evangelisieren?
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Im sechsten Kapitel des Johannes Evangeliums lesen wir von einer grossen Volksmenge, die Jesus nachfolgt. Jesus nimmt den Proviant eines Knaben und macht genug daraus, um 5000 Männer zu speisen. Die Menge ist beeindruckt, und zwar derart, dass sie Jesus ergreifen will, um ihn zu ihrem König zu machen. Jesus aber sondert sich von ihnen ab und geht auf die andere Seite des Sees.
 
Am nächsten Tag spürt die Volksmenge Jesus auf. Jesus, der weiss, was sie denken, sagt zu ihnen: " Ihr sucht mich, nicht weil ihr Zeichen gesehen, sondern weil ihr Brot gegessen habt und gesättigt worden seid. Wirket nicht für die Speise die vergeht, sondern für die Speise, die da bleibt ins ewige Leben. Da sprachen sie zu ihm: "Was sollen wir tun, damit wir die Werke Gottes wirken?" (Joh. 6,26-28)
 
Die Frage stelle ich mir auch. Was will Gott, dass ich tue? Was kann ich für ihn tun? Besonders im Vorfeld unserer Evangelisationswoche denke ich mir, dass Gott will, dass ich Handzettel verteile, dass ich Menschen zu den Vorträgen einlade, dass ich jeden Abend dabei bin, um Gäste zu empfangen und Geschwister zu ermutigen. Wären diese Dinge nicht die Werke Gottes wirken?
 
Jesus antwortet ihnen: "Dies ist das Werk Gottes, dass ihr an den glaubt, den er gesandt hat." (Joh. 6,29)
 
Die "Projekte", die wir aufziehen, wie z.B. "Evangelisationswoche", können, wenn wir nicht aufpassen, eine "Eigendynamik" entwickeln. Was wir einst mit Eifer und Überzeugung angefangen hatten, kann im Laufe der Zeit zur Routine und Tradition werden. Es ist bestimmt richtig, Menschen einzuladen, um das Evangelium zu hören und selbst bei den Vortragsabenden dabei zu sein, aber es ist ganz wichtig, dass ich mir überlege, wieso. Warum will ich diese "Werke" tun? Bloss damit wir eine möglichst grosse Besucherzahl haben und damit mit Genugtuung eine "erfolgreiche Missionswoche" verbuchen? Oder damit unsere Mitgliederschaft stolze Wachstumszahlen aufweist, damit Geschwister meinen Einsatz anerkennen, damit Gott mich nicht straft?
 
Das Werk, das Gott von uns will, ist, dass wir an seinen Sohn Jesus, den er gesandt hat, glauben. Das heisst, dass zuerst und vor allem, die Motivation für unsere Mitarbeit an der Evangelisation unser Glaube sein muss. Ich will Menschen ansprechen, einladen, begrüssen, betreuen oder belehren, weil ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes und unser Herr ist. Ich glaube, dass das Wort Gottes in den Vorträgen verkündet wird, und dass jeder, der der Verkündigung glaubt, sich mit Gott versöhnen lassen kann und ewiges Leben erben wird. Ich bin sehr dankbar für diese Hoffnung, und möchte anderen Teil daran geben. Dies ist der Grund, warum ich für Gott wirken will - oder besser gesagt - warum ich Gott durch mich wirken lassen will.
 
Ohne diesen Glauben können wir die Werke Gottes nicht wirken. Natürlich können wir uns mit allerlei Aktivitäten sehr stark beschäftigen, aber ohne Glauben an die Kraft in Gottes Wort und an die Herrschaft Jesu über seine Gemeinde und an die Gemeinschaft des heiligen Geistes, bewirken wir lediglich eine unheilsame Betriebsamkeit.
 
Wie kann ich also mitwirken bei der Evangelisation?
 
Das Wichtigste ist meine eigene geistliche Auferbauung. Um andere zum Glauben zu führen, muss mein Glaube lebendig und gesund sein. Deswegen schreibt Paulus an die Kolossergemeinde: " Das Wort Christi wohne reichlich in euch; in aller Weisheit lehrt und ermahnt euch gegenseitig! Mit Psalmen, Lobliedern und geistlichen Liedern singt Gott in euren Herzen in Gnade! Und alles, was ihr tut, im Wort oder im Werk, alles tut im Namen des Herrn Jesus, und sagt Gott, dem Vater, Dank durch ihn!" (Kol. 3,16-17).
 
Aus Glauben heraus kann dann jeder sich an der Evangelisationsarbeit beteiligen. Paulus, der Meister-Evangelist der Gemeinden, wusste sich auf die Gebete der Geschwister angewiesen. Er bat sie darum: "... und betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür des Wortes öffne, das Geheimnis des Christus zu reden, ... damit ich es kundmache, wie ich reden soll!" (Kol. 4,3).
 
Wenn die Gebete der Geschwister für die Evangelisation bei dem Apostel Paulus so wichtig waren, wievielmehr dann bei uns heute! Aber Paulus liess die Geschwister auch wissen, dass Evangelisation keineswegs ein Werk für Apostel und Evangelisten allein ist. Er bat die Geschwister weiter: "Wandelt in Weisheit gegenüber denen, die draussen sind, kauft die Gelegenheiten aus! Euer Wort sei allezeit in Gnade, mit Salz gewürzt; ihr sollt wissen, wie ihr jedem einzelnen antworten sollt!" (Kol 4,4-6)
 
Gott schafft jedem von uns Gelegenheiten, mit "denen, die draussen sind" zu reden. Bin ich bereit, von der Gnade Gottes in Jesus Christus auf eine angemessene Art und Weise zu reden? Das wird von meinem Glauben abhängig sein. Daran zu arbeiten ist das Werk Gottes und fördert die Evangelisation.
 
 
David Tarjan
 

 


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