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Der, welcher Bescheid geben kann
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"Es war damals das Fest der Tempelweihe in Jerusalem; es war Winter. Und Jesus ging in dem Tempel umher, in der Säulenhalle Salomos." (Joh. 10,22-23)
 
Was hat Jesus wohl erlebt, als er an dem Tag durch das Tempel-areal hin und her ging? Der Tempel lag über 800 m.ü.M. und im Dezember kann das Klima in Jerusalem recht rauh werden. Das Sozialklima aber war bestimmt heiter, denn es waren Festtage - das Fest der Tempelweihe - heute auf Hebräisch "Chanukkah" genannt.
 
Zur Zeit Jesu war dieses Fest relativ jung. Da es nicht von Gott durch Mose angeordnet war, ist es nicht im Alten Testament zu finden. Das Fest der Tempelweihe stammt aus der zwischentestamentlichen Zeit - aus dem Jahr 164 v.Chr. - und über dessen Ursprung kann in den Apokryphen nachgelesen werden: "Und Judas und seine Brüder samt der ganzen Gemeinde Israel ordneten an, dass das Fest der Altarweihe (später Tempelweihe genannt) alljährlich zur bestimmten Zeit, vom 25. Tage des Monats Chislew an (unsere Nov.-Dez), acht Tage lang mit Freude und Jubel begangen werden solle." (1. Makkabäer 4,59).
 
Der Hintergrund, welcher dieses Fest veranlasste, war die brutale Unterdrückung des jüdischen Volkes durch den syrischen Herrscher Antiochus Epiphanes. Er wollte die jüdische Religion ausrotten und Palästina hellenisieren. Die Tempelhöfe wurden auf fürchterliche Weise verunreinigt, die Tempelgemächer in Bordelle umfunktioniert. Im Jahr 167 v.Chr. ging Antiochus so weit, den Brandopferaltar in einen Zeusaltar umzuwandeln und darauf Schweineopfer darzubringen.
 
Danach erhob sich Judas Makkabäus mit seinen Brüdern zum Befreiungskampf, und drei Jahre später war es ihnen gelungen, das Joch Syriens zu brechen und den Tempel wieder zu reinigen: "und als sie darüber berieten, was sie mit dem entweihten Brandopferaltar anfangen sollten, kam ihnen der gute Gedanke, ihn einzu-reissen, damit es ihnen nicht etwa zum Schimpf gereiche, dass ihn die Heiden geschändet hatten. So rissen sie den Altar ein und legten die Steine auf dem Tempelberg an einem geeigneten Platz nieder, bis ein Prophet entstände, der ihnen über deren Verwendung Bescheid geben könnte." (1.Mak. 4,44-46)
 
Nun fast 200 Jahre später, am Gedenktag der Tempelweihe, war jemand gekommen, der Bescheid geben könnte. Jemand, der noch viel mehr als ein Prophet war: "Da umringten ihn die Juden und sprachen zu ihm: Bis wann hältst Du unsere Seele hin? Wenn Du der Christus bist, so sage es uns frei heraus. Jesus antwortete ihnen: Ich habe es euch gesagt, und ihr glaubt nicht. Die Werke, die ich in dem Namen meines Vaters tue, diese zeugen von mir; aber ihr glaubt nicht..." (Joh 10,24-26)
 
Der, welcher ihnen über die entweihten Altarsteine, über den ganzen Tempel, sogar über die ganze Nation, ja gar über Himmel und Erde Bescheid geben könnte, ist nun da - mitten unter ihnen. Hilfe ist gekommen - der Eckstein ist da - aber sie erkennen es nicht! Sie glauben es nicht. Warum nicht?
 
Falsche Vorstellungen. Während des 8-tägigen Festes der Tempelweihe drehte sich alles um die Erinnerung an den Makkabäischen Aufstand - heldenhafte Taten und tollkühne Befreiungsschlachten. So haben sie sich Hilfe vorgestellt! Nach mehr von Solchem haben sich die Juden gesehnt und ihr selbsternanntes Fest der Tempelweihe diente jedes Jahr zur Stärkung dieser Vorstellung. Jesus war aber ganz anders als Judas der Makkabäer.
 
Heutzutage in der westlichen Welt wird zu dieser Jahreszeit Weihnachten gefeiert. Die Gedanken drehen sich um Frieden und Freude und Liebe. Die Welt sehnt sich nach diesen Dingen und die Festtage erinnern manche daran, dass es nur Gott ist, der uns echte, dauerhafte Freude und Frieden bescheren kann. Aber kaum hat das neue Jahr angefangen, fällt die Welt wieder ins Januar-Loch - nichts mehr von "Friede auf Erden".
 
Warum nicht, wenn Christus doch gekommen ist und gesagt hat: "Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch." (Joh. 14,27)?
 
Falsche Vorstellungen - über Jesus, über Frieden, über das Reich Gottes. Falsche Vorstellungen, die leider durch unsere selbsternannten Feste nur gestärkt werden. An ihrem Festtag sagte Jesus den Juden Bescheid: "Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen ewiges Leben..." (Joh. 10,27).
 
Einst rief eine Frau aus: "Glückselig der Leib, der dich getragen, und die Brüste, die du gesogen hast!" Sie wollte Jesu Mutter und Geburt würdigen. Jesus aber sprach: "Gewiss, doch glückselig, die das Wort Gottes hören und festhalten!" (Luk 11,27-28).
 
Wollen wir seelische Befreiung und den Frieden Gottes das ganze Jahr hindurch erfahren, so wissen wir nun Bescheid: Es hilft wenig, für Jesus ein Gedenk fest zu halten - sein Wort fest zu halten, darauf kommt es an!
 
 
David Tarjan
 

 


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