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| Gegeneinander oder Füreinander? | |
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"Ich suchte Gott, und er entzog sich mir. Ich suchte meine
Seele, und ich fand sie nicht. Ich suchte meinen Bruder, und ich
fand alle drei."
Ein Gefangener in SibirienVon der Frage nach dem "füreinander" handelt auch die folgende Geschichte: Ein Lehrer fragte seine Schüler: "Wann ist der Übergang von der Nacht zum Tag?" Der erste Schüler antwortete: "Dann wenn ich ein Haus von einem Baum unterscheiden kann." - "Nein" antwortete der Lehrer. "Dann wenn ich einen Hund von einem Pferd unterscheiden kann" versuchte der zweite Schüler eine Antwort. "Nein" antwortete der Lehrer. Und so versuchten die Schüler nacheinander eine Antwort auf die gestellte Frage zu finden. Schliesslich sagte der Lehrer: "Wenn du das Gesicht eines Menschen siehst und du entdeckst darin das Gesicht deines Bruders oder deiner Schwester, dann ist die Nacht zu Ende und der Tag ist angebrochen." Aus unserem Alltag: Ein Mann ging morgens zur Arbeit wie er es gewohnt war, jahrein und jahraus. Aber dieser Morgen war anders - einschneidende Nachricht wartete auf ihn. Seine Firma war übernommen worden und er wurde entlassen. Er stand auf der Strasse, wie viele andere, aber nun hatte es ihn getroffen. Einige seiner ehemaligen Kollegen wünschen ihm viel Glück und liessen dann nichts mehr von sich hören - sie waren zu beschäftigt, der Tag war einfach zu kurz, zu beschäftigt, um auch noch lange Gespräche zu führen, geschweige dann zuzuhören und zu helfen. Mutlosigkeit und Ohn-macht können sich ausbreiten. Eine ausserordentliche Geschichte? Nein, sondern eine, welche sich tagtäglich ähnlich abspielen kann - vielleicht hast du es selbst erlebt? Was wäre, wenn dieser Mann jemand hätte, der ihm zuhört, der mitfühlt und aufbaut, Mut macht? Was wäre, wenn nicht? Ohne Macht zu sein, das heisst ohnmächtig zu sein, tut weh. Wer weiss, vielleicht begegnest Du morgen jemandem der seine Arbeitsstelle verloren hat, der sich sehnlichst einen Ehepartner wünscht, der krank ist oder einfach traurig über all dem Elend in unserer Welt? Die Wahrscheinlichkeit ist gross, demnächst mit einem solchen Menschen den Weg zu kreuzen! Sind wir gerade dann zu beschäftigt, zu scheu, zu abgelenkt, zu müde, oder sind wir bereit halt zu machen, zuzuhören, Anteil zu nehmen ja gar unsere Hilfe anzubieten? Jesus ist auf die Ohn-mächtigen zugegangen. Er war (ist) für die da, welche ihn brauch(t)en. Er ist unbeirrbar den Weg der Liebe, der Treue und der Geduld gegangen. Wer in seinem Sinne handelt darf erwarten, dass sein Leben Tiefgang bekommt. Armut, Krankheit, Trauer, Einsamkeit hinterlassen Ohn-mächtige. Was heisst denn, miteinander zu leben, füreinander da zu sein? Heisst dies, wie die Freunde Hiobs zu handeln? Hochmütig, philosophisch ausgerüstet, selbstsicher wie ehemals die Pharisäer Menschen zu "belehren"? Immer eine Antwort bereit zu haben, für alle Probleme Lösungen zu präsentieren? Tatsache ist - für vieles kennen wir die Antwort nicht. Aber was können wir tun? Was hat JESUS getan? ER hat sich Zeit genommen, ER war da, inmitten des Geschehens, ER hörte zu, er nahm Anteil, ER betete zu seinem Vater - ER zeigt uns SEINE Definition von Liebe. ER starb nicht nur für uns, sondern er lebte auch für uns. Die Strasse zwischen Jerusalem und Jericho, von der das "Gleichnis vom barmherzigen Samariter" berichtet, (Lk 10.25-37) ist überall. Jeder kann "unter die Räuber fallen!" Jeder kann halbtot liegen bleiben - körperlich und seelisch ausgeplündert. Das Weiterleben hängt davon ab, ob im rechten Augenblick ein Mensch kommt, der einen "sieht" und "Oel und Wein in die Wunden giesst", der sich Zeit nimmt "bei einem bleibt" und notfalls "mehr als zwei Denare bezahlt". Es besteht noch eine weitere Dimension im Dasein für andere Menschen: "...denn mich hungerte, und ihr gabt mir zu essen, mich dürstete, und ihr gabt mir zu trinken, ich war Fremdling, und ihr nahmt mich auf; ich war nackt, und ihr bekleidetet mich; ich war krank, und ihr besuchtet mich, ich war im Gefängnis, und ihr kamt zu mir." "Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr es einem der geringsten dieser meiner Brüder getan habt, habt ihr es mir getan." Im füreinander Dasein ist Jesus gegenwärtig. Wir wählen, immer wieder, solange uns Gott Zeit gibt. Damit es uns gelingt, den Ohn-mächtigen zu ent-decken und ihm zu helfen, ist uns das Gebet eine wichtige Hilfe. Gebete bewegen uns. Es tut uns gut, bewegt zu sein! Andreas |
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