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| Macht zum Guten - Macht zum Bösen | |
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Als ich im Militärdienst zum Korporal befördert
wurde, durfte ich anderen Menschen Befehle erteilen: "mache
das!" oder "tue dies!". Wer hat nicht geträumt
ein kleiner König zu sein? Falls ich je diesen Traum gehabt
hatte, war er schnell verflogen. Ganz schnell habe ich gemerkt,
dass Macht kein Spielzeug ist und nicht leicht zu gebrauchen ist.
Da sind Menschen, die zwar von mir abhängig sind, aber sie
gehorchen nicht wie Maschinen. Wie sollte ich mit ihnen umgehen,
damit wir zusammen ein Ziel erreichen und nicht einander
aufreiben? Wenn ich wankelmütig, unberechenbar und erpressbar
bin, dann werden weder ich noch andere, die von mir abhängig
sind, etwas Gutes zusammen erreichen. Ja, wenn ich einen solchen
Umgang mit der Macht pflege, werden Menschen wegen mir leiden.
Je grösser die Macht, desto grösser das Leiden. Wie
schlimm kann es werden? Lasst uns ein Beispiel aus der Schrift
betrachten.
Da ist ein Mädchen unbekannten Namens. Sie ist anmutig und erkennt, dass sie mit ihrem Körper Macht ausüben kann. Je nachdem wie sie sich bewegt und verhält, weckt sie die Begierde der Männer, besonders wenn diese im Alkoholrausch sind und unter dem Einfluss einer niedrig gesinnten Gesellschaft stehen. An einem Abend gelingt ihr der grosse Wurf. Mit ihren Tänzen bringt sie eine ganze Männergesellschaft zum Wahnsinn. Sie hält sie alle in ihrer sinnlichen Hand. Ihr Stiefvater, der über dieser ganzen Gesellschaft thront, gerät unter Druck, ihre Darstellung grosszügig zu belohnen. In seinem benebelten Zustand gibt er ihr Macht, viel Macht: "Bitte mich um was du willst! Und ich werde es dir geben." Das Mädchen geniesst den Moment; es ist ein Ausnahmemoment, sie weiss es. Es ist auch ein Ausnahmeangebot, das es auszuschöpfen gilt. Sie wendet sich an ihre Mutter, die bei diesem ausschweifenden Fest nicht dabei war und einen kühlen Kopf behalten hat. Diese Frau verlangt kaltblütig den Kopf eines Feindes. Ihre Tochter freut sich über diese Kühnheit und gleitet mit Grazie bis in die Nähe des angetrunkenen Herrschers: "Ich will, dass du mir sofort auf einer Schüssel das Haupt Johannes' des Täufers gibst!" Das hatte ihr Stiefvater nicht erwartet. Für kurze Zeit wacht er von seiner Betrunkenheit auf, aber hat keine Kraft sich zu wehren. Da sind noch andere, die ihre Macht in die Wagschale werfen: Die Festgesellschaft belustigt sich über die Gewissensnot ihres sonst unzimperlichen Herrschers und verlangt das Einhalten des Versprechens. Der Machthaber Herodes gibt nach. In Ohnmacht entscheidet er, Johannes enthaupten zu lassen (siehe Mt. 14,1-12 und Mk. 6,14-29). Wenn ich über die Katerstimmung am anderen Morgen denke, dann wird mir schlecht. Johannes der Täufer, ein heiliger Mann, von dem Jesus sagte "unter den von Frauen Geborenen ist kein Grösserer aufgestanden" (Mt. 11,11), verlor sein Leben, weil ein Mädchen schön tanzte. Vier Personen oder Personengruppen hatten ihre Macht unwürdig eingesetzt: In einem leichtsinnigen Moment hatte Herodes seiner Stieftochter viel Macht anvertraut, ohne ihre Gesinnung zu überprüfen. Das Mädchen missbrauchte zuerst ihre Macht über die Männer und zweitens die Macht, die sie von ihrem Stiefvater bekommen hatte. Die Mutter des Mädchens benutzte ihre Macht, um sich blutig zu rächen. Die Festgesellschaft half mit ihrer Macht, den Willen des Mädchens und ihrer Mutter durchzusetzen. All diese Menschen reibten sich einander auf in ihrer Bosheit. Sie waren unfähig, sich aufrichtig für ein gemeinsames Ziel einzusetzen. Das Ergebnis ihrer Listen und Intrigen war Mord, Streit, Misstrauen. Vor seiner Bekehrung gehörte der Apostel Paulus auch zu den Menschen, die ihre Macht zum Bösen einsetzten. Zwar missbrauchte er seine Macht "unwissend" (1. Ti. 1,13), aber die schlimmen Konsequenzen waren trotzdem da und Paulus versuchte nicht, sie im nachhinein zu verschönern. Er schrieb von sich, dass er ein "Lästerer und Verfolger und Gewalttäter war" (1. Ti. 1,13). Er verwüstete die Gemeinde (Apg. 8,3). So sehr seine frühere Haltung ihm Leid tat, so wenig konnte er sie im nachhinein ändern. Aber es gibt eine Hoffnung für Menschen wie Paulus und für Menschen, die in den Fussspuren des Herodes und seiner Gefolgsleute laufen. Paulus schrieb: "Das Wort ist gewiss und aller Annahme wert, dass Christus Jesus in die Welt gekommen ist, Sünder zu erretten, von welchen ich der erste bin. Aber darum ist mir Barmherzigkeit zuteil geworden, damit Jesus Christus an mir als dem ersten die ganze Langmut beweise, zum Vorbild für die, welche an ihn glauben werden zum ewigen Leben." (1. Ti. 1,15-16) Gott schenkt den Sündern eine Hoffnung! "An ihn [Jesus Christus] glauben", dies ist die Grundlage dieser Hoffnung. Paulus bekehrte sich zum Glauben an Jesus Christus und setzte von da an seine Macht "zur Erbauung und nicht zur Zerstörung" (2. Kor. 13,10) ein. Jeder hat Macht, als Korporal, Elternteil, Bürger, Nachbar, Mitschüler, Bankangestellter, usw... Lasst uns diese Macht zur Erbauung und nicht zur Zerstörung brauchen! Wie tun wir das? An Jesus glauben - und uns nach seinem Willen bekehren, falls wir es noch nicht getan haben - und auf ihn schauen: Er hat uns ein vollkommenes Vorbild gegeben. Olivier Cuendet |
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