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Praktisch leben (Jeremia 32)
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Wir erweisen Menschen, die vernünftig planen und ihre Ziele erreichen können, hohe Achtung. Wer besässe nicht gerne den Ruf, bodenständig und ein Mensch der Tat zu sein? Wir sind eifrig für das Praktische. Nur, was ist denn praktisch? Viele Menschen verfolgen unpraktische Beschäftigungen ihr Leben lang in der Meinung, ganz nüchterne, praktische Leute zu sein.
 
Jeremia ist einer der praktischsten Menschen, die je gelebt haben - ein Mann der Tat im Einklang mit dem Willen Gottes. Dennoch hielten ihn seine Zeitgenossen mehrheitlich für einen unpraktischen Narr. Jeremias Sinn für "praktisch" war stets in Widerspruch mit dem, was die Menschen für praktisch hielten.
 
Jeremias Sinn für das Praktische rührte von seiner Überzeugung her, dass Gott die wichtigste Realität ist. Er hörte Gott zu und setzte seinen Willen in die Tat um. Der Sinn für das Praktische bei den meisten Menschen rührt hingegen daher, dass sie nur das glauben, was sie sehen und versuchen, die Gunst des Augenblicks zu ihrem Vorteil auszuschlagen.
 
588 v.Chr. war Jerusalem in einer äusserst prekären Lage. Die Stadt war schon seit einigen Monaten von Nebukadnezars Armee belagert. Militärisch war Juda den Babyloniern hoffnungslos unterlegen. Es war nur eine Frage der Zeit, und zwar Wochen oder gar Tage, bevor die Stadt erobert würde.
 
Während jenen Tagen befand sich Jeremia in Haft. König Zedekia hat ihm Hochverrat vorgeworfen wegen seiner Weissagungen, welche die Einwohner Jerusalems aufforderten, Babylon keinen Widerstand zu leisten.
 
Während dieses Notstands kam eines Tages Jeremias Vetter Hanamel in den Wachhof des Königs, wo Jeremia gefangengesetzt war. Er bot Jeremia ein Landstück aus seinem Heimatdorf Anatot, das etwa 5 km nordöstlich von Jerusalem lag, für 17 Schekel zum Kauf an. Vor den Augen aller Judäer im Wachhof kaufte Jeremia Hanamel den Acker ab. Was mussten die Beobachter dabei gedacht haben?
 
Jeremia musste entweder verrückt oder aber ein erstklassiger Tor sein! Sein verbriefter Kaufvertrag attestierte zwar, dass er, Jeremia, der neue Besitzer dieses Feldes sei, aber die Realität sagte etwas anderes - die Babylonier campen jetzt darauf! Jeremia hat gerade ein Feld erworben, auf dem er wahrscheinlich nie seinen Fuss setzen, geschweige denn darauf säen oder ernten wird.
 
Warum kaufte dann Jeremia das Feld? Jeremia war ein praktischer Mann. Nur, Jeremias Realität beschränkte sich nicht nur auf das Sichtbare. Jeremias Realität war auf Gottes Wort gegründet. Gott sagte Jeremia: "Es werden wieder Häuser, Felder und Weinberge in diesem Land gekauft werden." Die entscheidende Realität für Jeremia war nicht die Babylonier, die auf seinem Land standen, sondern dass Gott seine Verheissungen erfüllt.
 
Mit dieser Zuversicht, war es überaus praktisch, den Acker zu kaufen - auf Hoffnung hin. Eine Hoffnung kann man nicht sehen, aber doch fest davon überzeugt sein, wenn Gott dahinter steht.
 
In den Jahren zuvor, während Juda Wohlstand und Sicherheit genoss, hat Jeremia vor dem kommenden Gericht gewarnt und Umkehr zu Gott gepredigt. Er wurde schon damals für einen Narren gehalten, sein Leben und Reden als unpraktisch abgewiesen, denn die Zeiten waren gut. Nun sind die vorausgesagten bösen Tage da. Jeremia darf jetzt eine Botschaft der Hoffnung bringen, aber seine Zeitgenossen sehen nur Hunger, Pest und Babylonier. Hoffnungslosigkeit macht sich breit und wieder scheint ihnen Jeremia töricht und unpraktisch zu sein.
 
Jeremias Feldkauf war ein überlegter Akt der Hoffnung. Alle Hoffnungsakte werden der Lächerlichkeit preisgegeben, da sie unpraktisch zu sein scheinen, weil sie eben der gegenwärtigen sichtbaren Wirklichkeit nicht entsprechen. Es braucht Mut, aus Hoffnung zu handeln, aber Hoffnungsakte, die aus Glauben an Gottes Wort hervorkommen, binden uns in die werdende Realität ein, die Gott gerade dabei ist, aufzubauen.
 
An jenem Tag kaufte sich Jeremia in Gottes Heilsplan für sein Volk ein. Er handelte, als ob die versprochene Rückkehr für Juda schon da wäre. Und die anderen im Wachhof? Die vermeintlichen "Realisten"? Sie hatten sich mit der Hoffnungslosigkeit ihrer Lage abgefunden und schmachteten dahin in Erwartung auf das Ende durch die Erstürmung der Stadt. Wie praktisch!
 
Es ist Zeit für uns, praktisch zu werden. Das Praktischste, das wir tun können, ist Gott zuzuhören und in hoffnungsvollem Glaubensgehorsam auf sein Wort antworten. Das heisst schon heute leben, als ob das Reich Gottes schon unter uns vollendet wäre - ungeachtet dessen, wie die anderen leben. Nur so kann der Wille Gottes jetzt schon auf Erden geschehen - Friede, Freude, Gerechtigkeit. Nicht auf die Heilszeit warten, sondern schon jetzt aus Hoffnung heilig leben (2.Petr. 3, 10-14). Das ist überaus praktisch.
 
 
David Tarjan
 

 


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