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Wer ist schuld daran?
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Der vor kurzem herausgekommene Film "The Passion of Christ” (Das Leiden Christi) sorgt für Furore. Der Film will die Brutalität der letzten 12 Stunden des Lebens Jesu Christi auf Erden - seine Verhaftung, Verhörung, Verurteilung und Kreuzigung - plastisch und wahrheitstreu dargestellt haben. Diese Inszenierung reisst eine alte Debatte von neuem wieder auf: wer hat Jesus umgebracht: die Juden oder die Römer? Ist es antisemitisch zu behaupten, dass es Juden waren, die für den Tod Jesu verantwortlich waren?
 
Es werden viele Sprüche geklopft, aber wo ist das Beweismaterial? Die einzigen Indizien, die uns heute zur Untersuchung stehen, sind die Zeugenaussagen in der Bibel. Die 4 Evangelien und die Apostelgeschichte sind unsere einzigen Nachforschungsquellen. Was sagen sie aus?
 
Johannes überliefert uns das Tatmotiv: "Darum nun suchten die Juden noch mehr, ihn zu töten, weil er nicht allein den Sabbat aufhob, sondern auch Gott seinen eigenen Vater nannte und sich so selbst Gott gleich machte” (Jo 5,18). Dass die jüdische Obrigkeit Jesus umbringen wollte, war der Öffentlichkeit keineswegs verborgen: "Es sagten nun einige von den Bewohnern Jerusalems: Ist das nicht der, den sie zu töten suchen? Und siehe, er redet öffentlich, und sie sagen ihm nichts. Haben etwa die Obersten wahrhaftig erkannt, dass dieser der Christus ist?” (Jo 7,25-26)
 
Es waren die politischen und religiösen Führer der Juden, die Jesus beseitigen wollten; das "Fussvolk” war Jesus nicht feindlich gesinnt: "Es war aber nach zwei Tagen das Passa und das Fest der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und die Schriftgelehrten suchten, wie sie ihn mit List greifen und töten könnten; denn sie sagten: Nicht am dem Fest, damit nicht etwa ein Aufruhr des Volkes entsteht.” (Mk 14,1)
 
Es kam aber doch am Passafest, trotz ihrer feigen Machenschaften, zur eiligen Gefangennahme und zum nächtlichen Femgericht: "Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert! Was brauchen wir noch Zeugen? Siehe, jetzt habt ihr die Lästerung gehört! Was meint ihr? Sie aber antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig! ... Und nachdem sie ihn gebunden hatten, führten sie ihn weg und überlieferten ihn dem Statthalter Pilatus.” (Mt 26, 59-66)
 
Zu jener Zeit stand Judäa unter römischer Besatzung. Der Vollzug der Todesstrafe unterlag der römischen Gerichtsbarkeit. Nach seiner Untersuchung wollte der römische Statthalter Pilatus Jesus freigeben, "aber die Hohenpriester und die Ältesten überredeten die Volksmengen, dass sie die Freigabe Barabbas forderten, Jesus aber umbrächten... Pilatus spricht zu ihnen: Was soll ich denn mit Jesus tun, der Christus genannt wird ? Sie sagen alle: Er werde gekreuzigt! Er aber sagte: Was hat er denn Böses getan? Sie aber schrien über die Maßen und sagten: Er werde gekreuzigt! Als aber Pilatus sah, daß er nichts ausrichtete, sondern vielmehr ein Tumult entstand, nahm er Wasser, wusch seine Hände vor der Volksmenge und sprach: Ich bin schuldlos an dem Blut dieses Gerechten... Jesus liess er geiseln und überlieferte ihn, damit er gekreuzigt werde.”(Mt. 26, 20-26)
 
Der Sachverhalt ist eindeutig. Die Führer des jüdischen Volkes übten genügend Druck aus, um den römischen Statthalter zu verleiten, gegen sein besseres Wissen und Gewissen zu handeln. Beide Parteien hatten sich am Tod Jesu schuldig gemacht. Jesus selbst jedoch äusserte sich zu der Schuldfrage als er vor Pilatus stand: "der, welcher mich dir überlieferte, hat grössere Sünde.” (Jo 19,11). Damit meinte Jesus Kaiphas, den Hohenpriester.
 
Es ist eine historische Tatsache, dass die Vertreter des jüdischen Volkes den Tod Jesu gewollt und herbeigezwungen hatten. Ist dies aber eine Rechtfertigung für Antisemitismus?
 
Auf gar keinen Fall! Nicht alle Juden waren gegen Jesus. Die Apostel waren Juden. Die Jünger waren Juden. Nikodemus, der Jesus bestattet hat, gehörte gar zu den Obersten der Juden! Tausenden von Menschen, die 50 Tage später bei der Verkündigung des Evangeliums sich zu Jesus bekehrten, waren Juden. Jesus war ein Jude. Und wie er zu der Frau am Jakobsbrunnen einst sagte: "das Heil ist aus den Juden.” (Jo 4,22)
 
Beim ersten Mal, als das Evangelium gepredigt wurde, hat Petrus die Schuldfrage schon geklärt: "diesen (Jesus), der nach dem bestimmten Ratschluss und nach Vorkenntnis Gottes hingegeben worden ist, habt ihr (Juden) durch die Hand von Gesetzlosen (Römern) an das Kreuz geschlagen und umgebracht.” (Apg 2,23).
 
Ja, Juden haben Christus durch die Hand der Römer gekreuzigt, aber das war Gottes Plan! Beim uralten Streit über die Schuld, wird zur Beschämung vieler genau das übersehen, was vor allem wichtig ist: "Jesus ist Gottes Lamm, das die Sünde der Welt wegnimmt” (Jo 1,29). Wir sind schuld!
 
Jesus liess sich von Sündern als ein Sühnopfer für Sünder ans Kreuz nageln. Gott weckte ihn aus dem Tod auf, damit jeder von der Herrschaft der Sünde befreit werden kann. Hass, ob gegen einzelne oder ein ganzes Volk gerichtet, ist Sünde. Christi Kreuz ist nicht der Grund, sondern die Lösung für Antisemitismus.
 
 
David Tarjan
 

 


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