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Menschen mit Tiefe
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Eine Frau aus unserer Nachbarschaft machte eine Reise nach Italien. Das Zugabteil, in dem sie sass, war gut besetzt. Während der Fahrt geriet ein Gepäckstück ins Rutschen und fiel ihr auf den Kopf. Offensichtlich wurde sie dabei so schwer verletzt, dass der Zug halten musste, um sie ins Spital zu bringen. Nachdem sie geröntgt und untersucht worden war, beruhigte sie der Arzt und sagte: "Es ist nichts Schlimmes passiert, sie können weiterreisen."
 
Die Frau ging darauf zum Bahnhof, setzte sich in den Zug und fuhr nach Zürich zurück. Da ihr Zustand sich verschlimmerte, ging sie zu ihrem Hausarzt. Nach gründlicher Untersuchung stellte der Arzt fest, dass seine Patientin einen doppelten Schädelbruch erlitten hatte. Der Arzt sagte: "Sie dürfen keinen Schritt mehr machen, bleiben sie ruhig liegen. - Ich werde sie sofort ins Spital einweisen."
 
Wie war das möglich, dass man beim ersten Untersuch einen doppelten Schädelbruch übersehen konnte? Man könnte in Zorn geraten über eine solche Oberflächlichkeit.
 
Oberflächlichkeit ist nicht nur verantwortungslos und leichtsinnig, sondern auch lebensgefährlich. Oberflächlichkeit ist leider überall anzutreffen, von der Medizin bis zur Putzequipe.
 
Gerade dort, wo man am ehesten Tiefe erwartet hätte, fand Jesus tödliche Oberflächlichkeit. Die Schriftgelehrten mussten sich sagen lassen: "Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr die Minze und den Kümmel verzehntet und die gewichtigern Stücke des Gesetzes ausser acht gelassen habt: das Recht und die Barmherzigkeit und die Treue. Diese Dinge aber sollte man tun und jene nicht unterlassen." (Mt. 23,23)
 
Es machte den Anschein von Frömmigkeit, aber bei genauem Hinsehen kam die Oberflächlichkeit ans Licht. Jesus und die Schreiber des Neuen Testaments haben die Oberflächlichkeit entschieden bekämpft.
 
Worin besteht Oberflächlichkeit im Glauben? Sie besteht darin, dass jemand im Zweifel stecken bleibt, weil er nicht bereit ist, sich Gott mit ganzem Herzen hinzugeben. Wenn er dann betet, kommen immer Zweifel auf, die eine zwiespältige Haltung bewirken.
 
Oberflächlichkeit zeigt sich auch darin, dass jemand zwar das Wort Gottes hört, aber nicht danach tut. So bleibt es beim Mitlaufen, aber es geschieht kein Wachstum.
 
Wer sich Menschen anschliesst, weil er auf Sympathie abstellt, oder auf seinen Vorteil bedacht ist, begeht Ansehn der Person. Das ist eine Bevorzugung der Menschen aus selbstsüchtigen Gründen, eine Oberflächlichkeit, die uns nicht weiter bringt.
 
Wer den Menschen zwar Gutes wünscht, aber nicht bereit ist, etwas für sie zu tun, hat nur einen toten Glauben. Es ist eine Oberflächlichkeit, die echtes Mitleid verhindert.
 
Wie bekomme ich Tiefe? Paulus weist im Epheserbrief (3,13-19) darauf hin, dass bei Christus eine tiefe Liebe vorhanden ist, die wir zuerst einmal erkennen müssen, damit auch wir davon erfüllt werden können. Wo finden wir mehr Tiefe als bei dem gekreuzigten und auferstandenen Christus?
 
Gott ist nicht damit zufrieden, wenn wir nur einen oberflächlichen Glauben haben. Mit einem oberflächlichen Glauben können wir Christus nicht nachfolgen. Ein oberflächlicher Glaube kann uns nicht retten.
 
Das Geheimnis der Tiefe liegt darin, dass wir nichts vor Gott zurückhalten.
 
Als der Apostel Paulus von der Gemeinde in Ephesus abreiste, liess er die Brüder wissen, dass Gott ihm durch den Geist mitgeteilt habe, dass Fesseln und Trübsal auf ihn warten. Wie hat Paulus auf diese beängstigende Nachricht reagiert? "Aber ich achte mein Leben nicht der Rede wert, wenn ich nur meinen Lauf und den Dienst vollenden kann, den ich von dem Herrn Jesus empfangen habe: das Evangelium von der Gnade Gottes zu bezeugen." (AG. 20,24)
 
Was für eine Entschlossenheit kommt aus diesen Worten! Paulus hatte schon abgerechnet und den Preis für die Nachfolge Christi angenommen. Er hatte gewählt: Ein Leben der Hingabe für die kostbarste Sache der Welt, für das Reich Gottes!
 
Die Hingabe an Christus schliesst bereitwillige Haltungen mit ein, welche die Tiefe bei einem gläubigen Menschen bewirkt. Es ist die Haltung, mit Willigkeit zu dienen, die Bereitschaft, um Christi willen zu leiden, der Wandel in der Liebe und die Entschlossenheit, für den Glauben zu kämpfen, der den Heiligen ein für allemal überliefert worden ist, das schafft Tiefe.
 
Gott ist am Werk, um uns (durch Feuer) zu läutern. Sind wir bereit, unangenehme Lagen anzunehmen, im Vertrauen zu ihm, damit er aus uns ein Gefäss zu seiner Ehre machen kann?
 
 
Wolfram Schrader (Telepredigt)
 

 


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