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| Ein Verlobter namens Josef | |
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Die Geschichte der Geburt Jesu ist uns bekannt, vielleicht
zu bekannt: Josef war mit Maria verlobt. Sie lebten nicht zusammen,
aber Maria wurde schwanger. Josef meinte, dass sie Unzucht begangen
hatte und wollte sie entlassen. Er heiratete sie aber, nachdem
ein Engel ihm mitgeteilt hatte, dass das Kind vom Heiligen Geist
war. War denn alles so einfach? Lasst uns den Bericht des Matthäusevangeliums
nochmals lesen und dabei besonders auf Josef achten:
"Mit dem Ursprung Jesu Christi verhielt es sich aber so: Als nämlich Maria, seine Mutter, dem Josef verlobt war, wurde sie, ehe sie zusammengekommen waren, schwanger befunden von dem Heiligen Geist. Josef aber, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht öffentlich blossstellen wollte, gedachte sie heimlich zu entlassen. Während er dies aber überlegte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sprach: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria, deine Frau, zu dir zu nehmen! Denn das in ihr Gezeugte ist von dem Heiligen Geist. Und sie wird einen Sohn gebären, und du sollst seinen Namen Jesus nennen; denn er wird sein Volk erretten von seinen Sünden." (Mt. 1,18-21) Josef ging durch ein Wechselbad von Gefühlen. Zuerst eine tiefe Enttäuschung und ein grosser Schmerz, als er erfuhr, dass Maria schwanger war. Lukas berichtet in seinem Evangelium, dass Maria ungefähr drei Monate in einer Stadt Judäas bei ihrer Verwandten Elisabeth verbrachte, nachdem der Engel Gabriel ihr erschien (Lk. 1,26-39.56). Als Maria von dort nach Nazareth zurückkam, fiel es vielleicht schon auf, dass sie schwanger war. Am Anfang wollte Josef bestimmt nicht wahrhaben, dass seine Verlobte Unzucht begangen hatte. Der Bauch Marias liess aber keinen Raum für irgendeinen anderen Gedanken. Es schmerzte Josef sehr. Auch Maria hatte Schmerzen, weil sie zusehen musste, wie Josef litt. Aber sie brachte es offenbar nicht übers Herz, ihm vom Engel und von der Ankündigung der Geburt Jesu zu erzählen. Maria übergab ihre Lage völlig in die Hände Gottes. Wenn sie ihren Josef je als Ehemann bekommen sollte, wäre das allein aus der Gnade Gottes. Josef wusste ganz genau, was das Gesetz Moses vorsah in bezug auf eine Frau, die nicht als Jungfrau in die Ehe einging: "...dann sollen sie die junge Frau hinausführen an den Eingang des Hauses ihres Vaters, und die Männer ihrer Stadt sollen sie steinigen, dass sie stirbt, weil sie eine Schandtat in Israel verübt hat, zu huren im Haus ihres Vaters. Und du sollst das Böse aus deiner Mitte wegschaffen," (5. Mose 22,21). In gewissen Vergewaltigungsfällen gab es keine Strafe (5. Mose 22,25-27), aber Maria hätte sich mindestens darauf berufen müssen. Da sie nichts desgleichen gesagt hatte, musste Josef annehmen und hinnehmen -so schwer es ihm fiel- dass Maria tatsächlich Unzucht begangen hatte und des Todes war. Eine Ehe mit ihr wollte er sich als gottesfürchtiger Jude nicht mehr vorstellen, auch wenn er immer noch viel für sie empfand. Traurigkeit erfüllte sein Herz. Erst als Josef die schmerzhafte Trennungsentscheidung getroffen hatte, griff Gott ein. Wenn Gott gewollt hätte, hätte er seinen Engel viel früher schicken können. Er hat es aber nicht getan. War es, um Josef zu prüfen? Wollte Gott wissen, ob Josef bereit war, auf Maria zu verzichten? Was empfand denn Josef, als er die Worte des Engels hörte? "Fürchte dich nicht, Maria, deine Frau zu dir zu nehmen!" (Mt. 1,20). Gott schenkte ihm doch seine Maria als Ehefrau und er musste nicht fürchten, dass diese Ehe Gott missfallen würde. Nicht nur wurde ihm Maria geschenkt, er lernte sie auch durch das Zeugnis des Engels völlig neu kennen und schätzen, als ein ganz kostbares Werkzeug Gottes. Was ging denn in seinem Herzen vor? Er war erleichtert zu erfahren, dass Maria ihn nicht betrogen und keine Unzucht begangen hatte. Er war dankbar, dass er sie als Ehefrau von Gott bekam. Er war froh, dass seine Beziehung zu Maria wieder intakt war. Aber er musste auch die grosse Verantwortung spüren, die mit diesem besonderen Kind auf ihn kommen würde. Er musste auch daran denken, dass er vor den Menschen als Vater dieses Kindes gelten würde. Sie würden ihm den Vorwurf machen, dass er Unzucht mit Maria begangen hatte. Viele Gedanken und Gefühle waren in seinem Herzen. Viele Fragen stellten sich. Eines aber wusste er: Gott war da am Werk. Wir finden bei Josef keine Spur von Zorn, Hader oder Bitterkeit. Er wandelte mit Gott in der Furcht seines Gesetzes und war ein fügsames Werkzeug in seinen Händen. Er war bereit, die Lebensumstände und die Prüfungen zu tragen, die Gott für ihn vorgesehen hatte. Sind auch wir dazu bereit? Olivier Cuendet |
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