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| Widrige Umstände | |
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Widrige Umstände. Die Jünger hatten tatsächlich
widrige Umstände in dieser Nacht auf dem See von Galiläa.
Es war zwischen 3 und 6 Uhr morgens. Jesus hatte sie am Vorabend
mit dem Boot zum anderen Ufer vorausgeschickt. Er hatte sie richtig
nötigen müssen, ins Boot zu steigen. Das Problem war
nicht die Bootsfahrt. Einige von ihnen waren Fischer von Beruf
und es war für sie keine Sache, nachts auf dem See unterwegs
zu sein. Sie vermissten aber Jesus. Nach dem grossen Wunder der
Brotvermehrung am Vortag hätten sie ihn gern bei sich gehabt.
Diese Brotvermehrung war einfach unbegreiflich. Sie hatten selber
Brot und Fisch an Tausende von Menschen verteilt und zwölf
Handkörbe von Resten gesammelt. Sie verstanden nicht, wie
dies gegangen war. Zudem machten sie sich ein Gewissen. Jesus
hatte kein Boot zur Verfügung und der Uferweg bedeutete einen
grossen Umweg. Sie hätten schon auf ihn warten können,
aber Jesus wollte es nicht. Sie gehorchten ihm zwar, aber es war
ihnen nicht ganz wohl dabei.
Jetzt war es zwischen 3 und 6 Uhr morgens und das Wetter hatte umgeschlagen. Ein heftiger Gegenwind machte den Jüngern zu schaffen. Sie ruderten und ruderten, aber sie kamen nur sehr langsam voran. Ihr Ziel war Betsaida, am anderen Ufer. "Auch ohne Jesus werden wir zum Ziel kommen" dachten sie als erfahrene Fischer. "Und als er sie beim Rudern Not leiden sah, denn der Wind war ihnen entgegen, kommt er um die vierte Nachtwache zu ihnen, indem er auf dem See einherging; und er wollte an ihnen vorübergehen. Sie aber sahen ihn auf dem See einhergehen und meinten, es sei ein Gespenst und schrien auf; denn alle sahen ihn und wurden bestürzt. Er aber redet sogleich mit ihnen und spricht zu ihnen: Seid guten Mutes! Ich bin es. Fürchtet euch nicht! Und er stieg zu ihnen in das Boot, und der Wind legte sich. Und sie entsetzten sich sehr über die Massen; denn sie waren durch die Brote nicht verständig geworden, sondern ihr Herz war verhärtet." Mk. 6,48-52 Jesus hatte den Wasserweg gewählt. "Ein Gespenst!" schrien die Jünger. Die Bootsfahrt wurde jetzt zur Horrorfahrt. Vielleicht hatten die Jünger erkannt, dass diese weisse Gestalt zwischen den Wellen Jesu glich. Aber es konnte nicht Jesus sein; es durfte nicht Jesus sein: Jesus war ein Mensch und Menschen laufen nicht über Wasser. "Fürchtet euch nicht!" rief ihnen Jesus zu. Er stieg ins Boot und alles wurde still. Zeit zum Nachdenken über Jesus und über sich selbst. Widrige Umstände. Wir kennen sie: bei der Arbeit, in der Familie, auf der Strasse, mit der Gesundheit. Manchmal schickt uns Jesus in sie hinein, wie er die Jünger zur anderen Seeseite schickte. Manchmal geraten wir aus eigener Schuld hinein. Egal wie wir in solche Lagen gelangen, wir sind in ihnen besonderen Gefahren ausgesetzt. Am Beispiel der Jünger können wir zwei Gefahren erkennen. Die erste Gefahr ist das Einschlafen. Es geht nicht um das leibliche Einschlafen (Widrige Umstände halten uns leiblich wach, vielleicht mehr als wir möchten...). Es geht um ein anderes Einschlafen: Wir rudern wie die Jünger und meinen, dass wir es ohne Jesus bis zum anderen Ufer schaffen werden. Die Fahrt ums Überleben beschäftigt uns vollständig. Kein Gedanke für Gott; keine Zeit zum Gebet. Jesus sagte seinen Jüngern: "Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt!" (Mt. 26,41). Die zweite Gefahr ist der Un- oder Kleinglaube. In ihren widrigen Umständen haben die Jünger mit keiner Hilfe gerechnet. Jesus aber sah, dass sie Not litten, und kam. Das haben sie nicht erwartet. Im Gegenteil: Als sie eine Gestalt auf dem See sahen, haben sie nichts anderes als eine neue, unheimliche Gefahr gesehen. Wo war ihr Vertrauen zu Jesu? Der Schluss dieses Berichtes gibt einen ernüchternden Einblick in ihr Herz: Sie waren durch das Wunder der Brotvermehrung nicht verständig geworden, sondern ihr Herz war verhärtet. Jesus hatte zuletzt bei der Brotvermehrung soviel Fürsorge gezeigt und seine Allmacht noch einmal geoffenbart. Die Jünger aber verstanden nicht - oder wollten nicht wahrhaben -, dass Jesus sich um sie kümmerte, jederzeit. Wie oft geben wir in widrigen Umständen jegliche Hoffnung auf? Wie oft glauben wir, dass Jesus uns nicht helfen kann? Seine Hilfe wird vielleicht in einer unerwarteten Form kommen. Wenn wir aber auf seine Hilfe fest vertrauen, werden wir auch auf unbekannte Dinge mit Vertrauen schauen können. Wenn wir das nächste Mal auf "rauher See" sind, lasst uns an diese zwei Gefahren denken: Geistliches Einschlafen und Un- oder Kleinglaube! Lasst uns Jesus an Bord nehmen, in unsere Herzen schliessen und unser Vertrauen schenken! So wird die Fahrt ganz anders verlaufen. Olivier Cuendet |
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