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| Alles zur Auferbauung! | |
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Vor einigen Wochen weckte der Titel eines Zeitungsartikels
meine Neugierde: "Der dänische Priester Grosböll
glaubt nicht an Gott" (Neue Zürcher Zeitung vom 14./15.
Juni 2003, S. 60). Hier ist ein Auszug dieses Artikels: "Darf
ein lutheranischer Priester einer Kirchgemeinde vorstehen und
gleichzeitig in der Öffentlichkeit bekannt geben, dass er
nicht an Gott glaube - und auch nicht an die Schöpfung, die
Auferstehung Christi oder an das ewige Leben? In Dänemark
ist derzeit eine heftige Debatte über diese Frage im Gang.
Ausgelöst wurde sie durch Priester Thorkild Grosböll,
der bis vor kurzem in der Gemeinde Taarbek, nördlich von
Kopenhagen, tätig gewesen war. Als er aber in einem Zeitungsinterview
seine Glaubenshaltung öffentlich darlegte, schockierte dies
seine Vorgesetzte Lise-Lotte Rebel, die Bischöfin von Helsingör,
dermassen, dass sie Grosböll kurzerhand vom Dienst suspendierte."
"Weiter stand: "Mehrere hundert Personen versammelten
sich zu einer Solidaritätsveranstaltung, wo die Anwesenden
gegenüber Journalisten erklärten, Grosböll halte
grossartige Predigten, er sei menschlich und volksverbunden."
"Dieser Artikel liefert mir den Stoff für einen Gemeindebrief" dachte ich gerade. Ein paar Ideen zum Aufbau des Textes kamen mir gleich in der Sinn: Zuerst hätte ich über die Tragik der Situation in der dänischen lutheranischen Kirche schreiben können. In dieser Glaubensgemeinschaft weichen verschiedene Sachen erheblich vom biblischen Modell ab: Da ist ein Mensch, der sich Priester nennt, und die Existenz Gottes verleugnet; eine Frau beansprucht für sich einen Bischofsdienst entgegen den Vorschriften von 1. Ti. 3,1-7 oder Tit. 1,5-9; Kirchengänger freuen sich über einen Prediger, der nicht an Gott glaubt. Danach hätte ich Empörung darüber zeigen können, dass die Autorität der Schrift mit Füssen zertreten wird. "Vielleicht wäre sogar ein Gefühl des heiligen Zornes angebracht" meinte ich. Zum Schluss hätte ich ein Wort des Mitleides gegenüber den Menschen, die in solcher geistlicher Finsternis gefangen sind, verlieren können. Die Gedanken, die ich oben erwähnt habe, habe ich nach kurzer Zeit bereut. Zwei Fragen, die Du mir vielleicht gestellt hättest, lieber Leser, liebe Leserin, möchte ich vorausschicken: "Wieso bereust du diese Gedanken? Und wieso hast du diese Gedanken erwähnt, wenn Du sie bereust?" Zuerst zur zweiten Frage: Ich habe diese Gedanken erwähnt, damit Du von meinen Fehlern lernen und sie Dir -wenn möglich- ersparen kannst. Jetzt zur Frage Wieso habe ich diese Gedanken bereut? Lasst uns zwei Stellen aus der heiligen Schrift betrachten: "Was ist nun, Brüder? Wenn ihr zusammenkommt, so hat jeder einen Psalm, hat eine Lehre, hat eine Offenbarung, hat eine Sprache<nrede>, hat eine Auslegung; alles geschehe zur Erbauung." (1. Kor. 14,26) und "Übrigens, Brüder, alles, was wahr, alles, was ehrbar, alles, was gerecht, alles, was rein, alles, was liebenswert, alles, was wohllautend ist, wenn es irgendeine Tugend und wenn es irgendein Lob <gibt>, das erwägt!" (Phil. 4,8). In diesen zwei Stellen will Paulus unser Denken auf eine bestimmte Richtung lenken. In meinen Gedanken war die Neigung da, das Schlechte und das Böse zu sehen und zu betonen. Es dürfte bei vielen Menschen nicht anders sein (vielleicht erkennst Du dies auch bei Dir, lieber Leser, liebe Leserin). So las ich kürzlich auf Werbungsplakaten: "Es ist leider nicht schwierig, Missstände zu entdecken." Viele Menschen beschäftigen sich mit der Strafung von Missständen. Diese Haltung mag in verschiedenen Situationen ihre Berechtigung haben, vor allem wenn es darum geht, sich selbst zu prüfen. Doch soll ich mich nicht an erster Stelle mit negativen Gedanken beschäftigen. Vielmehr fordert uns Paulus auf, über das Wahre, das Ehrbare, das Gerechte, das Reine, das Liebenswerte, das Wohllautende, das Tugendhafte und das Lobenswerte zu sinnen. Er fordert uns auf, Gedanken zur Auferbaung zu hegen. So möchte ich jetzt nicht viele Worte über Herrn Grosböll verlieren. Vielmehr möchte ich vom Bruder reden, der mich am Sonntag früh anrief, um mitzuteilen, dass er in der Nacht fast nicht geschlafen hatte, und deswegen wahrscheinlich nicht in die Versammlung kommen würde. In der Versammlung war er aber da! Oder diese Schwester, die einen erschütternden Misserfolg erlebte, und doch mit Gott nicht hadern wollte. Ich denke auch an diesen Bruder, der im Zorn böse Worte aussprach, aber danach war er nicht zu stolz, um seine Sünde zu bereuen. Wir haben unter uns viele Vorbilder des Glaubens. Lasst uns auf sie schauen! So werden wir mehr Mut und Kraft haben, ein heiliges Leben zu führen. Und vor allem lasst uns auf Jesus, unser grösstes Vorbild, schauen, wie uns der Hebräerschreiber auffordert: "Deshalb lasst nun auch uns, da wir eine so grosse Wolke von Zeugen um uns haben, jede Bürde und die <uns so> leicht umstrickende Sünde ablegen und mit Ausdauer laufen den vor uns liegenden Wettlauf, indem wir hinschauen auf Jesus, den Anfänger und Vollender des Glaubens, der um der vor ihm liegenden Freude willen die Schande nicht achtete und das Kreuz erduldete und sich gesetzt hat zur Rechten des Thrones Gottes." (Hebr. 12,1-2). Olivier Cuendet |