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Ausgetrocknet!
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Bei mir im Büro an der Fensterbank stehen sechs Blumentöpfe. Zum Glück enthalten sie dankbare, pflegeleichte Pflanzen, denn ich bin ihnen punkto Wassergiessen zu wenig treu. Während unserer zweiwöchigen Mission mit den amerikanischen Studenten zum Beispiel, liess ich sie förmlich im Stich. Nachdem die Studenten abgereist waren und mein normaler Alltag wieder einkehrte, nahm ich endlich ihren traurigen, schlappen Anblick wahr und eilte mit voller Giesskanne herbei.
 
"Die armen Pflanzen”, dachte ich schuldig, "sie müssen recht durstig sein; hoffentlich komme ich nicht zu spät!” Ich liess das Wasser grosszügig in den Blumentopf fliessen: meine von Schuldgefühl veranlasste Grosszügigkeit verwandelte sich rasch in Ärger.
 
Das Wasser perlte an der ausgetrockneten Erde ab, überlief den Rand und floss aussen am Topf herunter auf die Fensterbank, von wo aus es zu Boden tropfte. Mein gutgemeintes Geschenk wurde nicht angenommen!
 
Ganz vorsichtig und langsam goss ich die Töpfe nebenan. Zum Schluss kam ich zu dem ersten "Problem-Topf” zurück. Nun war seine Erde angefeuchtet - der Topf konnte das Wasser viel besser aufnehmen.
 
Lässt sich dieses Blumentopfphänomen auch auf den geistlichen Bereich übertragen? Es kommt vor, dass man sonntags nach der Gemeinde meint: "Ich habe nichts mitbekommen.” Woran kann das liegen?
 
Sicherlich kann der Bibelstundenlehrer oder Prediger am Blumentopf vorbeigiessen. Eine Botschaft kann: schwerverständlich sein; zu "grosszügig” mit Bibelstellen und Aspekten beladen sein; den roten Faden vermissen. In solchen Fällen müsste der Lehrer bzw. Prediger um konstruktive Rückmeldungen dankbar sein, denn (um einen unserer geliebten Brüder zu zitieren) "der Sinn der Nachricht entsteht beim Empfänger.” Also sollte es ein Anliegen des Lehrers bzw. Predigers sein, wissen zu wollen, wie seine Geschwister denken, empfinden und hören, damit er die geistliche Speise angemessen einschenken kann.
 
Es kann aber auch sein, dass "ich nichts aus der Versammlung bekomme”, weil ich - analog zur ausgetrockneten Blumentopferde - geistlich ausgetrocknet bin. Wenn wir unter der Woche nichts für das geistliche Leben unternehmen, sind wir am Sonntag geistlich so ausgedörrt, dass das Wort Gottes an uns abperlt! Es ist bestimmt um meine Aufnahmefähigkeit besser bestellt, wenn ich mich täglich von Gott begiessen lasse.
 
Wir lesen im Epheserbrief, was wir tun sollen, damit Gott uns geistlich fit und aufnahmefähig halten kann:
 
"Seht nun genau zu, wie ihr wandelt, nicht als Unweise, sondern als Weise! Kauft die rechte Zeit aus! Denn die Tage sind böse. Darum seid nicht töricht, sondern versteht, was der Wille des Herrn ist! Und berauscht euch nicht mit Wein, worin Ausschweifung ist, sondern werdet voller Geist, indem ihr zueinander in Psalmen und Lobliedern und geistlichen Liedern redet und dem Herrn mit eurem Herzen singt und spielt! Sagt allezeit für alles dem Gott und Vater Dank im Namen unseres Herrn Jesus Christus! Ordnet euch einander unter in der Furcht Christi” (Eph 5, 15-21).
 
Wir werden beraten, weise zu werden und geistlich frisch zu bleiben, indem wir uns täglich Zeit nehmen, den Willen des Herrn zu erkennen (Bibellesen!), einander in Demut zu dienen, zu Gott zu singen und bewusst zu danken für alles, was wir sind und haben. Besonders die Psalmworte sind hochwertige Kraftgetränke für die Seele.
 
Der Autor von Psalm 119 ist ein wunderbares Vorbild für einen Menschen, der nach geistlicher Sättigung sucht und sie bei Gott findet. Hier ein paar Zitate, um die Gesinnung eines Menschen zu zeigen, der "etwas aus Gottes Wort mitbekommt”:
 
"Mit meinem ganzen Herzen habe ich dich gesucht. Lass mich nicht abirren von deinen Geboten! In meinem Herzen habe ich dein Wort verwahrt, damit ich nicht gegen dich sündige. Gepriesen seiest du, HERR! Lehre mich deine Ordnungen!” (Ps 119, 10-12)
 
"Am Staub klebt meine Seele. Belebe mich nach deinem Wort! Meine Wege habe ich erzählt, und du hast mich erhört. Lehre mich deine Ordnungen!” (Ps 119, 25-26)
 
"Es war gut für mich, dass ich gedemütigt wurde, damit ich deine Ordnungen lernte. Lieber ist mir das Gesetz deines Mundes als Tausende von Gold- und Silberstücken.” (Ps 119, 71-72)
 
"Wie liebe ich dein Gesetz! Es ist mein Nachdenken den ganzen Tag.”
 
Meine Pflanzen haben überlebt, aber ich wäre schuld daran gewesen, wären sie eingegangen. Sie können ihr Wasser nicht selber holen. Der Herr schenkt uns seinen Geist, sein Wort und seine Gemeinde. Wir wissen wo und wie sie zu holen sind. Wer ist dafür verantwortlich, wenn ich geistlich austrockne?
 
 
David Tarjan