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Begegnung mit Bären
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Nun ist es bald sechs Jahre her, da hatte ich Gelegenheit, zusammen mit meinen Eltern und meiner Schwester an einer Gruppenreise nach Kanada teilzunehmen. Mit zwei Reisecars waren wir unterwegs, vornehmlich in British Columbia, im Westen Kanadas. Es gab viel zu sehen, zu bestaunen und zu erleben. Wunderschöne Seen, Wälder, Farmen, ja einmal unternahmen wir sogar einen Ausflug auf einen Gletscher! Auch von der faszinierenden Tierwelt durften wir einiges beobachten. Am aufregendsten war ein Kampf zwischen zwei Hirschen! Etwas jedoch haben wir alle vermisst. Wir hätten so gerne einen wildlebenden Bären gesehen. Ab und zu erlaubte sich zwar jemand einen Spass und rief: Da, ein Bär!! Dabei entstand jeweils eine riesige Aufregung im ganzen Car, doch zu sehen war nichts. Nun, eigentlich ist es ja auch nicht gerade zu erwarten, dass man einen Bären so unmittelbar in der Nähe der Autostrasse entdecken kann.
 
An einem Morgen in einem Naturreservat hatten wir etwas freie Zeit, bevor der Car wieder weiterfuhr. So unternahm ich zusammen mit meiner Schwester eine kleine Velofahrt in der Umgebung. Absichtlich wählte ich die Route auch etwas durch einen nahen Wald und hoffte im Stillen: Vielleicht, wer weiss, vielleicht sehen wir einen Bären....
 
Wir überlegten uns schon, wie wir uns wohl verhalten würden, wenn da plötzlich so ein Grizzly uns über den Weg laufen würde....doch es kam nicht dazu. Na ja, vermutlich war es auch besser so. Bären sind zwar in der Regel eher scheue Tiere und gehen dem Menschen aus dem Weg, doch wenn sie sich oder ihre Jungen bedroht fühlen, können sie rasch sehr gefährlich werden. So liest man auch immer wieder von Unfällen.
 
Von so einem tragischen Zwischenfall mit Bären lesen wir auch im 2. Buch der Könige, Kapitel 2. Wenige Tage war es her, seitdem der Prophet Elia mit einem feurigen Wagen in den Himmel entrückt wurde. Elisa, sein Nachfolger, verweilte danach einige Zeit in Jericho und macht sich dann auf in Richtung Bethel. “Wie nun Elisa den Weg hinaufging, kamen kleine Jungen aus der Stadt heraus und verspotteten ihn und sagten zu ihm: Komm herauf, Kahlkopf! Komm herauf, Kahlkopf! Er aber wandte sich um, sah sie an und verfluchte sie im Namen des HERRN. Da kamen zwei Bärinnen aus dem Wald und zerissen von ihnen 42 Kinder. Und Elisa ging von dort weg zum Berg Karmel....”(2. Kön. 2,23-25)
 
Was für eine furchtbare Begegnung mit Bären! Wahrscheinlich der schlimmste Vorfall mit Bären in der ganzen Geschichte! 42 Kinder auf einmal kamen ums Leben! Warum ist es soweit gekommen? Warum ist das passiert? Elisa hatte offensichtlich nicht mehr allzuviele Haare. Ob ihn das besonders störte oder nicht, wissen wir nicht. Doch diese spottenden Rufe der Kinder schmerzten ihn sehr. Spott ist nichts schönes und verspottet zu werden etwas, was sehr verletzen kann. Was aber tun in so einem Fall? Wie reagieren? Ist da Elisa nicht ein bisschen zu weit gegangen? Warum die Kinder gleich verfluchen? Es sind doch noch Kinder und im Übermut ist doch so rasch etwas geschehen. Hätte nicht auch eine scharfe Ermahnung genügt, eine ruhige aber bestimmte Zurechtweisung?
 
Elisa verflucht die Kinder. Was wird nun Gott tun? Hört er auf Elisa, gibt er ihm recht? Straft er die Kinder und wenn ja, auf welche Art? Ja, Gott straft die Kinder und zwar auf eine Weise, die vermutlich auch Elisa selbst ziemlich schockiert hat. Zwei plötzlich aus dem Wald auftauchende Bärinnen richten unter den Kindern ein richtiges Blutbad an. 42 junge Menschenleben werden ausgelöscht. Und das alles nur wegen einem kleinen Vergehen im Übermut. Ist das nicht ein wenig unverhältnismässig? Für Gott sieht das offensichtlich anders aus. Wie schlimm ist eine scheinbar kleine Sünde in den Augen Gottes?
 
Schauen wir kurz auf ein anderes Ereignis mehr als 900 Jahre nach diesem Bären-Vorfall. An einem Ort, genannt Schädelstätte, werden drei Männer von den Römern gekreuzigt. Über dem Mann am mittleren Kreuz steht eine Inschrift: Jesus, der Nazoräer, der König der Juden. Jesus wird geschlagen und aufs schlimmste verspottet und gelästert. Wie reagiert er?
 
Jesus Christus, der Sohn Gottes, starb am Kreuz für unsere Sünden. Er hat unsere Strafe auf sich genommen. Durch den Glauben an ihn dürfen wir das unermesslich kostbare Gnadengeschenk der Vergebung empfangen. Eine Vergebung für alle unsere verkehrten Handlungen, falschen Gesinnungen, unüberlegten Worte - für die wir eigentlich den Tod verdient hätten.
 
Ein wütender Bär kennt keine Gnade. Wir jedoch dürfen in Jesus zum Thron der Gnade hinzutreten. Eine Gnade, die nicht einfach so selbstverständlich ist, sondern die wir jeden Tag ganz dringend brauchen!
 
 
Hansueli Nebiker