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Dein Kreuz tragen
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Heutzutage ist es modisch, ein Kreuz an einer Kette um den Hals zu tragen - eine verfeinerte, geschmacksvolle, ästhetische Imitation. Wir wollen aber nicht aus den Augen verlieren, was das Kreuz eigentlich war - ein Instrument der Folter und Todesstrafe. Als echte Kreuze vor 2000 Jahren im römischen Reich noch in Gebrauch waren, hättest Du bestimmt entsetzte Blicke erhalten, wenn Du ein Kreuz um den Hals getragen hättest. Was würdest Du von einem Menschen halten, der sich in unserer Zeit mit einer kleinen, vergoldeten Nachbildung eines elektrischen Stuhles schmückt?
 
Das Kreuz ist, meine ich, hauptsächlich aus zwei Gründen salonfähig geworden. Erstens: Kreuze werden nicht mehr zur Hinrichtung eingesetzt. Keiner von uns hat je einen Menschen an einem Kreuz hängend, bluten, keuchen und sterben gesehen. Und zweitens bedeutet das Kreuz für Christen ein einmaliger glorreicher Sieg - der Sieg über Sünde, Tod und Teufel. Im Kreuzestod Jesu offenbarte Gott, wie stark er die Sünde hasst, aber auch wie weit er bereit war zu gehen, um uns aus unserer Schuld zu befreien: " So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab (am Kreuz), damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.” (Joh 3,16).
 
Am Kreuz hat Jesus den Plan seines Vaters, uns vor unserem Egoismus zu retten, vollbracht. Sein gerechtes Leben gab er am Kreuz auf, als ein vollkommenes Opfer für unsere Verfehlungen. Unsere "Entschuldigung” ist Gottes Werk. Daran zu glauben ist unsere Entscheidung.
 
Um an Jesus zu glauben und ihm in sein ewiges Himmelreich hinein zu folgen ist das Tragen vom kreuzförmigem Schmuck nicht nötig, das Tragen "unseres Kreuzes” aber schon, denn er sagt: "Wenn jemand mir nachkommen will, verleugne er sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach!” (Mk 8,34). Was ist denn das für ein Kreuz?
 
Als ich vor 20 Jahren auf dem Fahrrad quer durch Kanada fuhr, begegnete ich einem Mann, der Kanada zu Fuss durchquerte - mit einem lebensgrossen, hölzernen Kreuz auf der Schulter! Sehr beeindruckend, aber nicht das, was Jesus im Sinne hatte.
 
Dein Kreuz tragen bedeutet nicht, irgendwelche schweren "Schicksalsschläge” oder bedrückende Lasten tief gebückt durchs Leben zu tragen. Als Jesus diese Worte sprach, war ein Kreuz nicht bekannt als eine Last, sondern als Todesurteil. Kreuz gleich sterben! Das ist was der Herr meint mit "verleugne dich selbst.”
 
Selbstverleugnung ist weder Verzicht auf materiellen Komfort, noch Kasteiungen oder die Abtötung von Lebensfreude. Das Aufnehmen deines Kreuzes bedeutet das Töten des egozentrischen Eigenwillens, um freiwillig im Einklang mit Gottes Willen zu leben, oder in den Worten Jesu: "Vater, alles ist dir möglich. Nimm diesen Kelch (des Leidens) von mir weg! Doch nicht, was ich will, sondern was du willst!” (Mk 14,36).
 
Im Extremfall kann "das Kreuz auf sich nehmen” ein physisches Sterben um des Evangeliums willen in Zeiten der Verfolgung bedeuten, aber für uns im Moment bedeutet es viel eher ein Sterben unseres Ich's.
 
Sterben unseres Ich's ist...
 
...wenn Du zuschaust, wie die Wünsche anderer in Erfüllung gehen, während manche Deiner Bedürfnisse ungestillt bleiben und Du trotzdem nicht an Gottes Gnade zweifelst, sondern ihm danken kannst für das, was Du hast.
 
..wenn Du Dich entscheidest, Deiner Familie zu dienen und ihre Bedürfnisse vor die eigenen zu stellen.
 
...wenn Du Deinen Glauben an Jesus und sein Himmelreich, trotz Ablehnung, Spott und Beleidigung, weiter bezeugst.
 
...wenn andere Dich kritisieren, Dir falsche Motive unterstellen oder Dich sonst enttäuschen und Du es nicht zulässt, dass Du bitter wirst.
 
...wenn Du ungerecht behandelt wirst, aber Gott die Vergeltung überlässt und Dich auf Deinen Lohn im Himmel freust.
 
Sich selbst freiwillig zu verleugnen, und dabei doch noch Lebensfreude zu erfahren ist paradox. Es ist nicht natürlich. Es ist auch nicht möglich von uns aus. Wenn Jesus nicht für mich ans Kreuz gegangen wäre, würde ich niemals mein Kreuz aufnehmen und mich selbst verleugnen. Betrachten wir aber unser Leben im Lichte von Jesu Leben, Tod und Auferstehung, dann wird das Unmögliche möglich.
 
"Denn das Wort vom Kreuz ist denen, die verloren gehen, Torheit; uns aber, die wir gerettet werden, ist es Gottes Kraft.” (1Ko 1,18).
 
Heute sehen wir Kreuze überall. Wir werden desensibilisiert. Weder der Horror noch die Hoffnung des einen Kreuzes darf uns gewöhnlich werden, damit uns die Kraft, unser Kreuz zu tragen, nicht ausgeht.
 
 
David Tarjan