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| Ferienstimmung | |
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Diesen Sommer hatte ich die Gelegenheit, mit ein
paar Geschwistern zusammen, Ferien zu machen in Südfrankreich,
zuerst eine Woche auf einem sogenannten Hausboot und anschliessend
eine Woche in der Camargue. Mit dem gemieteten Boot unternahmen
wir eine, landschaftlich und kulinarisch, unvergessliche Entdeckungsreise
entlang der beiden Flüsse Lot und Baïse. In der Camargue
wohnten wir in einer kleinen Siedlung mitten in der Natur etwa
10 km vom bekannten Städtchen Saintes Maries de la Mer entfernt.
Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel man in zwei Wochen erleben kann. Ich glaube, wenn ich anfangen würde alles aufzuschreiben, wäre ich nach drei Seiten immer noch beim ersten Tag. Schon die Hinfahrt mit dem Auto war ein Erlebnis besonderer Art, dann der Moment, wo wir das erste Mal unser Schiff betraten, die erste Nacht an Bord und am nächsten Tag die ersten Fahrversuche, das erste Anlegen in idyllischer Umgebung, das gemütliche Essen auf dem Deck, der anstrengende Ausflug nach Pujols bei grosser Hitze, usw. Es gäbe noch viel zu berichten, z. B. von der Kunst, eine Schleuse zu passieren oder von den Bordtoiletten, die mit einiger Vorsicht zu bedienen waren oder von den diversen gastronomischen Auflügen mit zuweilen etwas seltsamen Überraschungen usw. Nicht zu vergessen natürlich die unzähligen lustigen Begebenheiten und Spässe, die eine solche Reise in sich birgt. Auch von der Camargue liessen sich viele Episoden erzählen, wie etwa der Krieg gegen die Mücken, der sowohl mit chemischen Waffen als auch im Nahkampf fast aussichtslos war, der herrliche Swimming Pool, der Ausflug nach Nîmes mit der Sonnenfinsternis, die Velofahrt an den Strand, die Fische vom Grill, der Wochenmarkt, der heitere Abschlussabend etc. Ferien sind etwas Herrliches, man kann sich darauf freuen, auf die Erholung, auf die Gemeinschaft, auf das Neue, das es zu entdecken gibt. Schon das Planen ist etwas Schönes. Man lässt die Gedanken und Ideen in die Ferne schweifen. Man bespricht und diskutiert, wägt ab und erkundigt sich. Man wagt einen Entscheid und dann kommt der grosse Moment: die Ferien werden gebucht. Nun steht es fest. Das Datum, das Schiff - reserviert für uns! Später kommt dann das Packen. Was soll ich alles mitnehmen, was werde ich dort alles brauchen? Vielleicht beginne ich schon Wochen vorher damit, kaufe noch ein Paar Strandsandalen oder eine Sonnenbrille, eine Taschenlampe oder einen Camping-Grill. Sei es beim Planen, beim Buchen oder beim Packen, immer sind die Gedanken am selben Ort: in den Ferien. Jetzt ist sie endgültig da, die Vorfreude, die Ferienstimmung. Ferienstimmung - verändert das nicht ein bisschen unser Leben? Wenn wir es streng haben an der Arbeit, sind dann nicht bevorstehende Ferien ein Trost, ein Hoffnungsschimmer am Alltagshorizont, eine Motivation zum Ausharren? Im seinem Brief an die Kolosser schreibt Paulus zwar nichts von Ferien, aber er möchte doch die Gedanken der Christen dort an einen ganz bestimmten Ort lenken: nach droben! "Wenn ihr nun mit dem Christus auferweckt worden seid, so sucht, was droben ist, wo der Christus ist, sitzend zur Rechten Gottes! Sinnt auf das, was droben ist, nicht auf das, was auf der Erde ist! Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist verborgen mit dem Christus in Gott. Wenn der Christus, euer Leben, geoffenbart werden wird, dann werdet auch ihr mit ihm geoffenbart werden in Herrlichkeit (Kol. 3,1-4). Wenn unsere Gedanken an einen Ort gelenkt werden sollen, so stellt sich sofort eine wichtige Frage: Ja wie sieht es denn dort droben aus? Was ist dann dort droben? Paulus fasst sich erstaunlich kurz: droben, dort ist der Christus, sitzend zur Rechten Gottes. Auf den ersten Blick eine sehr knappe Beschreibung. Beim Lesen des 1. Kapitels jedoch, besonders des Abschnittes über die Grösse und Herrlichkeit Jesu, bekommt dieses "droben" eine gewaltige Dimension: droben, dort ist der, in dem alles in den Himmeln und auf der Erde geschaffen worden ist, dort ist der, der das Bild des unsichtbaren Gottes ist, der Erstgeborene aller Schöpfung, dort ist der, der sein Blut vergossen hat für meine Sünden! Droben, dort ist Christus! Ist das nicht ein Ort, wo man gerne hin möchte? Was hat das für einen Einfluss auf unser Leben, wenn unsere Gedanken an diesem Ort sind, wenn wir Christus suchen und unsern Sinn auf ihn richten? Werden wir dann nicht immer mehr zunehmen in Eigenschaften wie sie Paulus später im 3. Kapitel erwähnt: herzliches Erbarmen, Güte, Demut, Milde, Langmut, Vergebung, Liebe, Friede, Dankbarkeit? Paulus beschreibt uns nicht einen Ort mit herrlichem Sandstrand und Palmen oder eine wunderschöne Berglandschaft. Paulus möchte im Kolosserbrief unsern Blick nach droben richten, auf Jesus Christus. In ihm sind alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen, er ist unsere Hoffnung auf die Herrlichkeit. Ist das nicht noch viel mehr als die schönste Ferienstimmung? Hansueli Nebiker |