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Die Freiheit zum Gebet
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Ab und zu werden wir an den Schweizerpsalm erinnert, wenn er bei irgendeiner Gelegenheit gespielt oder gesungen wird. Zum Beispiel am 1. August auf dem Rütli, bei der Einsetzung von Rekruten als Unteroffiziere oder bei einem Schweizer Sieg im Sport.
 
Dieser Psalm zeugt von einer Frömmigkeit, die vielen Schweizern einmal teuer war. Er zeugt von Gottvertrauen und Ehrfurcht vor dem Schöpfer.
 
1872 starb P.A. Zwissig, der die Worte des Psalms gedichtet hatte. Es war sein Bekenntnis an den unergründlichen, ewigen und menschenfreundlichen Gott.
 
Ein Jahr vor Zwissigs Tod brachte Darwin sein Buch heraus, durch das sich viele Menschen ihren Glauben haben rauben lassen. Das Buch mit dem Titel "Die Abstammung des Menschen". Viele sind dieser Gott verachtenden Lehre gefolgt und haben aufgehört zu beten, denn gerade dazu hat der Schweizerpsalm aufgerufen.
 
In der ersten Strophe hören wir die Worte: "Wenn der Alpen Firn sich rötet, betet, freie Schweizer, betet."
 
Wo sind die freien Schweizer geblieben? Sie sind geknechtet von der Jagd nach dem Geld, geknechtet von der Evolutionslehre, von Haltlosigkeit und Stress, geknechtet von Vergnügungssucht, geknechtet von der Flucht vor dem Alltag und ohne Hoffnung. Sie haben die teure Freiheit zum Gebet verloren.
 
Es kommt zwar immer wieder vor, dass Menschen Gott prüfen wollen durch Gebet. Sie befinden sich in einer Not und entschliessen sich, zu Gott zu beten.
 
Hilft er ihnen, so bekommt er seinen Dank oder rückt zur anerkannten Notrufzentrale auf. Gott ist für sie ein Helfer in der Not irdischer Belange, mehr nicht. Ist die Not vorüber, wird er aufs Eis gelegt.
 
Wehe aber, er hilft nicht, dann ist nämlich erwiesen, dass er nicht helfen kann, nicht will oder einfach nicht hört, er ist unfähig.
 
Sie sagen gerne: "Ja ich habe es auch schon probiert mit dem Beten, aber es nützt nichts, da bist du verlassen."
 
Viele Menschen verwechseln Gott mit einem Laufburschen, den man ruft und der dann sofort springt.
 
Gott ist nicht ein Gott für kurzfristige Bekanntschaften, sondern ein Gott der Beständigkeit und Ausdauer, er sucht eine Gemeinschaft mit uns, die von Dauer ist. Kurzlebige Beziehungen sind eines ewigen Gottes unwürdig.
 
Gott will uns mehr geben als eine Hilfe aus irdischen Nöten. Er will uns geistliche Güter schenken. Er will sich uns selbst geben, wie er das erwiesen hat am Kreuz. Christus gab sich für uns dahin, damit wir von den Sünden loskämen und für immer zu Gott fänden.
 
Gott schenkte sich uns in Christus, damit wir ihn hätten als himm-lischen Vater. Er ist nicht verschlossen oder abweisend. Er will, dass wir auch unser ganzes Herz öffnen und uns ihm schenken.
 
Gott sucht eine tiefe, innige Gemeinschaft mit uns, die in unseren Herzen beginnen muss. Er sucht keine Flüchtigkeitskontakte oder kurzlebige Romanzen.
 
Unsere Verbindung zu ihm nehmen wir auf durch das Gebet. Nehmen wir uns die Freiheit zum Beten! "Wachet und betet, dass ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist zwar ist willig, aber das Fleisch ist schwach!" sagte Jesus zu seinen Jüngern. Mt. 26,41
 
Wir sollen unseren Stand vor Gott erkennen. Er ist der Schöpfer, wir die Geschöpfe, die in jeder Hinsicht von ihm abhängig sind. Beten bringt uns weiter. Beten bringt uns näher zu Gott, näher zu seinem Wort, damit wir durch die Erkenntnis seines Willens zum Glauben finden, der uns auf Dauer mit Gott verbindet.
 
 
Wolfram Schrader
 
 
Schweizerpsalm von P.A. Zwyssig (1815-1872)
 
Trittst im Morgenrot daher, seh' ich dich im Strahlenmeer,
dich, du Hocherhabener, Herrlicher!
Wenn der Alpen Firn sich rötet, betet, freie Schweizer, betet.
Eure fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland.
 
Kommst im Abendglühn daher, find' ich dich im Sternenheer,
dich, du Menschenfreundlicher, Liebender!
In des Himmels lichten Räumen kann ich froh und selig träumen,
denn die fromme Seele ahnt Gott im hehren Vaterland.