|
| |
|
| |
|
| |
| Ein geschenkter Anzug | |
|
|
|
Nebensächliche Ereignisse tragen oft zum Wachstum
des Glaubens bei. Vor zwei Monaten hatte ich ein solches Erlebnis.
Ich musste für zwei Tage geschäftlich nach London. Den
ersten Tag sollte ich mit meinem Chef und einigen Kollegen verbringen.
So konnte ich mich ohne Krawatte auf den Weg machen. Am zweiten
Tag musste ich aber einen Anzug tragen, weil ich zwei wichtige
Sitzungen mit Kunden hatte. Der Abflug war um 7 Uhr 10 morgens,
d.h. ich musste die Wohnung gegen 6 Uhr verlassen. Am Vorabend
hatte ich mein Gepäck vorbereitet. Einen Anzug hatte ich
neben den Koffer aufgehängt. Am Abflugtag bin ich früh
aufgestanden, habe meinen Koffer fertig gepackt und mich auf den
Weg zum Flughafen gemacht. Noch bei der Tramhaltestelle habe ich
mir überlegt, ob ich alles dabei hatte: Pass, Geld, geschäftliche
Unterlagen, Pyjama, Krawatte, usw. ...
Plötzlich ist mir in den Sinn gekommen, dass ich mich nicht erinnerte, meinen Anzug eingepackt zu haben. Ist er im Koffer? Nein! Irgendwie war ich wegen der frühen Stunde ein wenig benebelt und hatte ihn vergessen. Aber es war noch nicht zu spät. Die drei Stockwerke bis zu meiner Wohnung bin ich hoch gerannt und habe meinen Anzug mit Dankbarkeit eingepackt. Gott hatte mir geholfen. Ich war ihm so dankbar! Seine Gnade wurde mir von neuem bewusst. Zwar haben die Kunden in London an meinem Anzug nichts bemerkt. Aber dieser Anzug hatte für mich an diesem Tag eine besondere Bedeutung. In meinem Herzen habe ich gewusst: Gott hat mir diesen Anzug gestern auf dem Weg zum Flughafen geschenkt. Dieses Erlebnis hat mich in meinem Glaubensleben gestärkt, weil mir die Gnade Gottes von neuem bewusst geworden war. Alt-Griechisch, die Sprache des Neuen Testamentes, kennt nur einen Begriff für Gnade und Geschenk. Gott hat mir auf dem Weg nach London einen Anzug geschenkt. Dadurch hat er mir aus einer unangenehmen Lage geholfen. Durch diese "kleine Gnade wurde mir die unvergleichlich grössere Gnade Gottes in Jesus Christus in Erinnerung gerufen. In Jesu hat mich Gott aus der schlimmsten Lage überhaupt, aus der ewigen Verlorenheit, gerettet. Der Preis dieser Gnade war das Opfer Jesu am Kreuz. Bist du von dieser unermesslichen Gnade berührt? Wenn die Gnade Gottes das Herz berührt, setzt sie Lebensveränderungen in Gang. Paulus schrieb folgende Worte über die Gnade: "Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf. (Tit. 2,11-12) Die Gnade Gottes ist erschienen, schrieb Paulus. Nicht, dass die Gnade vor der Zeit Jesu nicht existierte. Gott war seit jeher gnädig. Er war aber von Anfang an gnädig aufgrund des vorausgeplanten Opfers Christi. Der Hebräerschreiber lehrt uns, dass auch die Sünden unter dem Alten Bund im Blut Jesu gesühnt werden (Hebr. 9,15). Jesus hat sein Leben ein für allemal als Opfer für die Sünden aller Menschen dargebracht (Röm. 6,10; Hebr. 7,27; 9,12; 10,10; 1. Joh. 2,2). Die Gnade Gottes unterweist uns, schreibt Paulus, d.h. sie erzieht uns, sie verändert uns. Sie wirkt von innen heraus. Sie trifft unser Herz und weil wir im Herzen getroffen sind, ändern wir unser Leben. So nehmen wir Abstand von Dingen, die Gott nicht gefallen (wir verleugnen die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden) und pflegen Dinge, die Gott gefallen (wir leben besonnen, gerecht und gottesfürchtig). Wenn wir aber doch von Zeit zu Zeit nicht vermögen, Gott zu gefallen, dürfen wir auf seine Vergebung zählen, soweit wir bereit sind, diese Sünden zu bekennen (1. Joh. 1,9-2,1). Die Gnade Gottes unterweist uns. Der Satz des Apostels Paulus im Titusbrief ist aber noch nicht zu Ende (mit Wiederholung der Verse 11 und 12): "Denn die Gnade Gottes ist erschienen, heilbringend allen Menschen, und unterweist uns, damit wir die Gottlosigkeit und die weltlichen Begierden verleugnen und besonnen und gerecht und gottesfürchtig leben in dem jetzigen Zeitlauf, indem wir die glückselige Hoffnung und Erscheinung der Herrlichkeit unseres grossen Gottes und Heilandes Jesus Christus erwarten. (Tit. 2,11-13) Bewegt durch die Gnade verändern wir unser Leben. Wir handeln so in der Erwartung der Wiederkunft Christi. Er wird in Herrlichkeit erscheinen und uns zu sich und Gott dem Vater nehmen. Steht etwa das jüngste Gericht im Vordergrund bei den Worten Paulus' im Titusbrief? Ganz und gar nicht! Paulus schreibt vielmehr mit Freude über die zukünftige, ungetrübte Gemeinschaft mit Gott, dem Vater, und Jesus. Wir sollen uns von ihrer wunderbaren Gnade bewegen lassen und uns auf die schönste und aufregendste aller Begegnungen vorbereiten, indem wir uns bemühen, ein Gott wohlgefälliges Leben zu führen. Olivier Cuendet |