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Ein Gleichnis für Heute
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In einem reichen und mächtigen Land lebte ein Rohstoffhändler, der durchs Mineralölgeschäft grosse Gewinne erzielte. Dieser wurde bei der Regierung des Landes angeklagt, er habe sich nicht an die Gesetze gehalten und ausserdem würde er eine grosse Menge Steuergeld schulden.
 
Der Rohstoffhändler sprach bei sich selbst: Was soll ich tun? Denn das Justiz-Departement nimmt mir meine Lizenz weg und macht mir den Prozess. Irgendeinen anderen Beruf kann ich nicht, im Knast zu sitzen schäme ich mich. So floh er mit seinem ungerechten Gewinn in ein zwar kleineres, dennoch ebenso reiches Land, wo er mit seinen dubiosen Geschäften fortfuhr.
 
Im selbst auferlegten Exil bekam er aber Heimweh. Er sehnte sich so sehr nach dem Zentrum der Finanzwelt in seiner alten Heimat. Ich weiss, was ich tun werde, damit sie mich wieder in ihren Häuser aufnehmen werden, dachte er sich. Aus seinem ungerechten Gewinn machte er grosszügige Spenden an verschiedenste Kulturveranstalter und Hilfswerke. Auch bei Politikern und Staatsoberhäuptern machte er sich durch sechsstellige Beiträge beliebt.
 
Dem Herrn seiner Heimat wurde von allem berichtet und er lobte den ungerechten Rohstoffhändler, weil er klug gehandelt hatte und liess ihn nach Hause kommen.
 
 
Seit 2000 Jahren hat sich die menschliche Natur nicht geändert. Jesu Gleichnis vom ungerechten Verwalter (Lukas 16, 1-13) hat nichts an Aktualität verloren.
 
Das Benehmen eines Marc Rich, Bill Clinton oder Josef Estermann mag uns enttäuschen, entfremden oder sogar empören, dennoch will Jesus uns mit seinem Gleichnis wissen lassen, dass wir von solchen Männern doch etwas lernen können:
 
"denn die Söhne dieser Welt sind klüger als die Söhne des Lichtes gegenüber ihrem eigenen Geschlecht.”
 
Es sind nicht die Ungerechtigkeiten, Intrigen und Machenschaften der Söhne dieser Welt, die Jesus als nachahmenswert darstellt, sondern ihre Klugheit. Sie verfolgen ihre Ziele, die sich um unsichere materielle Dinge drehen, mit mehr Energie, Eifer und Ernst als wir Kinder des Lichtes nach unserer himmlischen Hoffnung streben. Jesus wünscht sich, dass seine Jünger so fleissig und erfinderisch in den Angelegenheiten des Reiches Gottes wären wie Geschäftsleute in der Welt es sind.
 
Wie zum Beispiel? Was ist christliche Klugheit? Jesus sprach weiter:
 
"Und ich sage euch: Macht euch Freunde mit dem ungerechten Mammon, damit, wenn er zu Ende geht, man euch aufnehme in die ewigen Zelte!”
 
Klug ist, wenn wir Geld und Gegenstände, über die wir verfügen, zugunsten anderer einsetzen. Es ist nicht klug, Reichtum zusammenzuraffen. Das Geld ist kein Teil von uns. Es kann uns jeden Tag genommen werden und wird uns eines Tages genommen werden. Wir können es unmöglich in die ewigen Zelte mitnehmen.
 
Was wir aber hingegen mitnehmen können, sind Freunde. Klug ist, wer sich mit dem gleichen Engagement wie der Verwalter im Gleichnis anstrengt, Freunde für Jesus und sein Reich zu gewinnen.
 
Der Apostel Paulus hat Timotheus Ähnliches geschrieben:
 
"Den Reichen in dem gegenwärtigen Zeitlauf gebiete, nicht hochmütig zu sein, noch auf die Ungewissheit des Reichtums Hoffnung zu setzen...., sondern Gutes zu tun, reich zu sein in guten Werken, freigebig zu sein, mitteilsam, wodurch sie sich selbst eine gute Grundlage auf die Zukunft sammeln, damit sie das wirkliche Leben ergreifen.” (1.Tim 6, 17-19)
 
Die Klugheit der Söhne dieser Welt offenbart sich im Nehmen. Sie drehen jeden Franken zwei mal um, um Gewinn zu steigern und Marktanteile von der Konkurrenz zu erobern.
 
Die Klugheit der Söhne des Lichtes hingegen offenbart sich im Geben. Wir sollten keine Gelegenheit, Gutes zu tun, ungenutzt lassen, sondern vielmehr nach Möglichkeiten suchen, wie wir Freunde für die Ewigkeit mit unseren verfügbaren Mitteln gewinnen können. So sammeln wir für die Zukunft und legen ein festes Fundament für unser ewiges Daheim, wo wir das wahre Leben mit unseren Freunden verbringen werden.
 
Und an dieser Klugheit wird wohl niemand Anstoss nehmen.
 
 
David Tarjan