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Die Grösse im Reich (Teil 2 von 2)
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Die Christen in Korinth befassten sich mit dem Thema Grösse in der Gemeinde. Sie hatten aber keine Erkenntnis (1. Kor. 12,1) und Paulus musste ihre Betrachtungsweise korrigieren. Im Kapitel 12 schreibt Paulus von der Grösse im Reich unter dem Gesichtspunkt eines Vergleiches unter den Christen. Im Kapitel 13 geht es um die Grösse vor Gott. Das Massstab ist die Liebe. Ohne Liebe sind die grössten Dienste, die grössten Gaben und die grössten Opfer gar nichts (1. Kor. 13,1-3). Die Christen in Korinth meinten, dass ihre Gnadengaben von grosser Bedeutung für Gott seien. Paulus bereitet ihnen eine Ernüchterung. Sie suchten nach grossen Gnadengaben. Jetzt sollten sie sich umorientieren und nach Liebe streben.
 
Was heisst es in bezug auf unsere Freunde Gaby, Lorenz und Max? Die Unterschiede unter ihnen sind klar. Paulus zeigt aber im Kapitel 12, dass nicht die Verschiedenheiten betont werden sollen, sondern die Gemeinsamkeiten: Alle drei gehören zur Kategorie "Besteck", alle drei haben einen Dienst: Sie sind nützliche Hilfsmittel beim Essen.
 
Im Kapitel 12 sprach Paulus vom Was. Was jemand tut, kann grösser oder kleiner sein. Es ist aber nicht unbedingt ein Hinweis auf die Grösse des Betreffenden. Dafür kommt es auf das Wie darauf an. Im Kapitel 13 spricht Paulus vom Wie. Lorenz soll mit Liebe dienen. Max soll mit Liebe schneiden. Gaby soll mit Liebe stechen. So kann jeder Grösse vor Gott erlangen, auch wenn seine Begabung auf den ersten Blick nicht herausragend ist. Die Tabelle 2 fasst die Bedeutung der Liebe im 1. Kor. 13 zusammen:
 
 
Tabelle 2: 1. Kor. 13

   
 Das Fleisch betont: Der Geist betont:
V. 1-7Sprachen, Weissagung, Geheimnisse, Erkenntnis, Glaube, Geben Die Liebe
V.8-13 Die Liebe bleibt
   

Im 1. Kor. 14,1-5 macht Paulus einen sprachlichen Unterschied zwischen streben nach und eifern nach. Wir sollen nach Liebe streben, aber wir sollen nach Gnadengaben eifern. Dieser Unterschied sagt viel aus. Gnadengaben kann man sich wünschen. Niemand hat aber einen Anspruch darauf. Sie sind Geschenke Gottes. Liebe ist auch ein Geschenk: Sie ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist (Röm. 5,5). Wir sollen aber nach der Liebe streben. Offenbar haben wir einen direkten Einfluss über unser Wachstum in der Liebe. Es ist aber mit Mühe und Arbeit verbunden.
 
Das Wie hat zwar eine zentrale Bedeutung, Paulus ist aber noch nicht fertig mit seiner Belehrung. Ein wesentlicher Aspekt kommt noch im 1. Kor. 14,1-5. Paulus erklärt, dass Weissagung grösser als Zungenreden ist. Aus welchem Grund sagt er das? Paulus hat im vorigen Kapitel von der Liebe als Massstab der Grösse geschrieben. Macht Paulus jetzt einen Schritt zurück? Nein, er bringt eine neue Dimension ins Thema. Er erwähnt jetzt ein Kriterium für die Grösse. Es geht um die Erbauung der Gemeinde. Wie bedeutend ist dieser Aspekt? Paulus unterstreicht seine grosse Bedeutung, indem er viermal in kurzem Abstand davon schreibt (in den Versen 3, 4, 5 und 12).
 
Im Kapitel 14 bringt Paulus ein Beurteilungskriterium zur Sprache, die Gemeinde. Die Tabelle 3 fasst es zusammen:
 
Tabelle 3: 1. Kor. 14

   
 Das Fleisch betont: Der Geist betont:
V. 1-25IchDie Gemeinde
   

Gott hat einen Plan: Er will die Gemeinde erbauen. Die Gnadengaben sind nicht Selbstzweck. Sie sollen zur Erbauung der Gemeinde beitragen und nicht zur Selbstdarstellung des einzelnen dienen.
 
Der Begriff Gemeinde kommt nicht weniger als fünfmal vor in den Versen 1 bis 25 des 14. Kapitels. Die Gemeinde ist das Werk Gottes. Wir Christen dürfen uns an diesem Werk beteiligen. Dies ist ein grosses Vorrecht und bedeutet Grösse für uns! Paulus erwartet, dass jeder Christ seine Gaben den anderen zur Verfügung stellt. Der Christ soll sein eigenes Ich aufgeben, damit die Gemeinde auferbaut wird. Unser grosses Vorbild dabei ist Jesus (Phil. 2,5-11). Gott hat ihm Grösse geschenkt über alles, weil er sein Leben in Liebe für den Aufbau der Gemeinde hingab.
 
Wir haben viele Gnadengaben in unseren Ortsgemeinden. Möchten wir gross sein und uns selbst darstellen wie die Christen in Korinth? Oder wollen wir in Liebe unsere Gaben der Gemeinde zur Verfügung stellen? Im 1. Korintherbrief fordert uns Paulus auf, die Gemeinde zu erbauen. Gott beteiligt uns an seinem Werk. Es ist eine gewaltige Erhöhung!
 
 
Olivier Cuendet