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| Davids zwei Herren | |
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David ist schon seit mehreren Jahren auf der Flucht.
Er kommt sich vor wie ein Rebhuhn, das durch die Berge gejagt
wird. Sauls Augen sind überall. Mehrmals haben Davids Nachbarn
ihn verraten, zu oft ist er beinahe in die Hände Sauls gefallen.
David hat gelernt, sich in öden und kargen Landschaften durchzubringen.
Doch mehr und mehr muss er auch für andere sorgen, die sich
ihm anschliessen. Bald ist die Zahl auf etwa 600 Männer angewachsen
und noch dazu ihre Frauen und Kinder! Alle schauen erwartungsvoll
auf Davids Führung. Die wachsende Verantwortung lastet schwer
auf ihm. Und noch ist nicht erkennbar, dass Saul von seiner mörderischen
Verfolgungsjagd ablassen würde. David ist müde, verunsichert
und niedergeschlagen:
"Und David dachte in seinem Herzen: Nun werde ich doch eines Tages durch die Hand Sauls umkommen! Es gibt nichts Besseres für mich, als eiligst in das Land der Philister zu entrinnen. Dann wird Saul von mir ablassen... (1Sam. 27,1). So laufen David und seine Männer in das Lager des Feindes über. Sie sind willkommen bei König Achisch von Gat, wenn sie ihm die Treue versprechen. Der Feind freut sich natürlich, tüchtige Männer in seinem Dienst zu haben. Und es scheint sich auszubezahlen für David; was er begehrte, bekommt er sofort: "Saul suchte ihn nicht mehr länger (1Sam 27,4); dazu empfängt er, was er lange nicht mehr genoss - ein Daheim - die Grenzstadt Ziklag, die sowieso früher Juda gehörte. Endlich mal Ruhe! Ein geglückter Ausweg aus der Bedrängnis. Aber zu welchem Preis? David sitzt auf dem Zaun zwischen Juda und Philistin. Von nun an muss er zwischen zwei Welten leben. Er hat nun zwei Herren: Gott und Achish. Um diesen Kompromiss aufrecht zu erhalten, sieht er sich gezwungen, Achisch anzulügen. Während er und seine Männer in der Tat die Feinde Israels im Süden überfallen, berichtet er Achisch ständig, dass ihre Angriffe dem Süden von Juda selbst gelten. Damit sein Betrug nicht aufgedeckt wird, muss er gnadenlos handeln: "Und David liess weder Mann noch Frau am Leben, um sie nach Gat zu bringen, denn er dachte: Damit sie nicht gegen uns aussagen und berichten: So hat David gehandelt! Und so war seine Weise all die Tage , die er im Gebiet der Philister wohnte. (1Sam 27,11). Der Verfolgung Sauls ist er erfolgreich ausgewichen. Dafür ist aber seine ganze Existenz eine gefährliche Heuchelei geworden. Verfolgt ihn die Angst, entlarvt zu werden? Gibt ihm sein Gewissen Ruhe? Es kommt noch schlimmer: die Philister planen einen Grossangriff gegen Israel. Achisch sagt zu David: "Du erkennst sehr wohl, dass du und deine Männer mit mir im Heer ausziehen müssen. David, in der Klemme, spielt seine Rolle mit klug formulierten zweideutigen Worten weiter: "Gut, auch du wirst erkennen, was dein Knecht tun wird., woraufhin Achisch ihn sogar zum Führer seines Heeres befördert! (1Sam 28,2). O David, wo hast du dich hineinmanövriert? Jetzt sollst du, als auserkorener König Israels, den Feind in einem Vernichtungsschlag gegen das Volk Gottes führen! In was für einen unglücklichen Zwiespalt bist du geraten! David wird jetzt zwischen Hammer und Amboss bedrängt, weil er in seinem Herzen dachte, dass Saul ihn sicher erwischen würde. Seine Sorgen waren verständlich angesichts der Umstände, die er erleiden musste. Seine Einschätzung wäre auch realistisch gewesen, wenn Gott ihm nicht verheissen hätte: du wirst über Israel herrschen! Diese Verheissung hat er wiederholt durch Samuel, Jonathan, Abigajil, ja sogar durch Saul selbst zu hören bekommen - Gott hat es bestimmt! David mag am Ende gewesen sein, aber Gott noch lange nicht! Der Herr hilft David aus der Zwickmühle. Obwohl David das Vertrauen Achischs durch seine Heuchelei gewonnen hatte, waren die übrigen Philister-Fürsten äusserst misstrauisch. Sie wollten auf keinen Fall, dass David und seine Männer in ihren Reihen gegen Israel mitkämpften. Sie wurden nach Hause geschickt und so aus dem Dilemma gerettet (1Sam 29). Damit aber war Gott mit der Lektion für David noch nicht fertig. Als sie nach Ziklag zurückkamen sahen sie ein Schreckensbild. Die ganze Stadt lag in Schutt und Asche. Wo waren ihre Frauen und Kinder? "Da erhoben David und das Volk, dass bei ihm war, ihre Stimme und weinten, bis sie nicht mehr weinten konnten ... und David war in grosser Bedrängnis, denn das Volk sprach davon, ihn zu steinigen. (1Sam 30,1-6). All die Jahre, in denen David der Verfolgung Sauls ausgesetzt war, hatte ihn nie eine solche Katastrophe getroffen. Erst nachdem er in seinem Herzen dachte, dass Gott der Lage nicht mehr gewachsen sei, dass es an der Zeit sei, Dinge in die eigene Hand zu nehmen und Sicherheit beim Feind zu suchen, erst als David sich in vermeintlicher Sicherheit wiegte, wurde er heimgesucht. Nun ist David wirklich am Ende, er hat alles verloren und seine Männer wollen ihn umbringen. Was kann er tun? "Aber David stärkte sich in dem Herrn, seinem Gott ... und David befragte den Herrn: Soll ich dieser Schar nachjagen? Werde ich sie einholen? (1Sam 30,6-8) Nach langem Bangen ist es David und seinen Männern gelungen, ihre Familien zurückzugewinnen. Was hat David gelernt? Denke nicht in deinem Herzen: Gott hat mit mir mehr unternommen, als er ausführen kann - sondern stärke dich an seinen Verheissungen und befrage Gott! Wenn unsere Bedrängnis glaubensbedingt ist, kann uns der Feind schon einen Ausweg bieten, aber dann müssen wir ihm dienen. Jesus sagte : "Niemand kann zwei Herren dienen! Davids Versuch nahm ein klägliches Ende. Eine Katastrophe hat er abgewendet, indem er sich an Gott wandte und um Stärkung und Weisung bat. Wer dem richtigen Herrn dient, kann es schwer haben, aber er wird sicher sein. David Tarjan |