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| Ein schlechter Tag (2.Samuel 15-16) | |
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Es war ein kohlrabenschwarzer Tag für David.
Er hätte es eigentlich kommen sehen können, wollte es
aber nicht wahr haben - hat's immer wieder verdrängt. Obwohl
Absalom nach dem Mord an Amnon wieder Zugang zu seinem Vater finden
konnte, war es nicht gut zwischen den beiden. Ihre gestörte
Beziehung wurde nie bereinigt. Sie gingen einander aus dem Weg,
statt Versöhnung anzustreben. Nun hat's gekracht. Als die
Worte des aufgeregten Boten in Davids Ohren eindrangen, wurde
es ihm schwarz vor den Augen: "Das Herz der Männer
von Israel steht hinter Absalom! Ein Putsch!
Die Zeit des Verdrängens ist vorbei. Er muss handeln. Das Königreich steht auf dem Spiel. Soll er auf Absalom warten und um den Thron in Jerusalem kämpfen? Nein, Gottes selbstgewählte Stadt in ein Schlachtfeld zu verwandeln, das will er nicht. David bleibt nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen. Weinend im Gehen, mit verhülltem Haupt und barfuss verlässt er mit seiner Leibgarde die Stadt, überquert den Bach Kidron und steigt den Oelberg hinauf auf dem Weg zur Wüste hin. Und es kommen noch mehr Hiobs-Botschaften: "Und man berichtete David: Ahitofel ist unter den Verschwörern bei Absalom! David ist entsetzt. Ahitofel war sein wertvollster Ratgeber. Sein Rat war wie das Wort Gottes. David spricht ein Stossgebet: "Mach doch Herr, den Rat Ahitofels zur Torheit! Noch ein bisschen später begegnet David Ziba, dem Knecht Mefi-Boschets, des gelähmten Sohnes von Jonatan, den David aus Schande und Armut rettete und zu einem Ehrenplatz am Königstisch erhob. Von Ziba muss David erfahren, dass auch Mefi-Boschet zu Absalom übergelaufen ist. So wird Davids Güte und Treue vergolten. Können wir Davids seelische Schmerzen nachempfinden? Sein Sohn, sein Ratgeber, sein Begnadigter, alle kehren ihm den Rücken zu und zwar alle am gleichen Tag. Und als ob das nicht schon genug wäre - da zischt ein Stein am Kopf des Königs vorbei. "Hau ab, verschwinde, du Blutmensch! David duckt sich, während seine Leibwache einen dichten Ring um ihn bildet, um die Steine mit ihren Schildern abzufangen. Es ist Schimi aus dem Hause Sauls: "Du hast uns das Königtum weggerissen. Nun hat der Herr das Blut Sauls über dich gebracht! Du Ruchloser! Verflucht bist du! Hau ab! Unter ständigem Fluchen und Bewerfen fährt das traurige Spektakel fort. Jeder, der zugegen war, weiss, dass Schimis Anschuldigung gegenstandslos ist. David hat Saul stets als den Gesalbten des Herrn geachtet. Einer seiner Leibwächter sagt: "Lass mich hinübergehen und den Kopf dieses toten Hundes abhauen! David aber antwortet, "Nein, lass ihn. Vielleicht hat der Herr ihm beauftragt, mich zu verfluchen. Fassungslos starren die Soldaten ihren König an. Wie kann er das zulassen - Unrecht an sich geschehen lassen, ohne zurückzuschlagen? Ja, wie ist so etwas überhaupt möglich? Davids Leben ist im Moment ein Scherbenhaufen. Was hält ihn noch aufrecht? Es ist seine Gottesgewissheit: "Vielleicht wird der Herr mein Elend ansehen, und mir Gutes zuwenden anstelle von Schimis Fluch. Psalm 3 gibt uns Einblick in Davids Herz als er vor Absalom floh: "HERR! Wie zahlreich sind meine Bedränger! Viele erheben sich gegen mich; viele sagen von mir: Es gibt keine Rettung für ihn bei Gott! Du aber, HERR, bist ein Schild um mich her, meine Ehre, und der mein Haupt emporhebt. David konnte die Notlage und die Demütigung ertragen, weil er daran festhielt, dass Gott alles sah und in Ordnung bringen würde. Die Schilder der Soldaten schützten seinen Leib vor Schimis Steinen, aber Davids Gottesgewissheit schützte seine Ehre, seine Person, vor Schimis Anschuldigungen. Wie reagieren wir, wenn uns Unrecht widerfährt? Natürlich sollten wir Ungerechtigkeit beim Namen nennen und dort um Gerechtigkeit kämpfen, wo wir können. Wenn es uns aber schlecht geht oder wir am kürzeren Hebel sitzen oder sonst gar nicht in der Lage sind, Gerechtigkeit zu verlangen, dann dürfen wir wissen, dass der Herr unser Elend sieht und um uns besorgt ist. Petrus schrieb an Haussklaven (1.Pet. 2, 18-24): "Das ist Gnade, wenn jemand um der Gottesgewissheit willen Leiden erträgt, indem er zu Unrecht leidet. Woher holen wir diese Gewissheit? Petrus fährt fort: "der, geschmäht, nicht wieder schmähte, leidend, nicht drohte, sondern sich dem übergab, der gerecht richtet und unsere Sünden selbst ans Holz hinaufttug. Jesus war der Gnade seines Vaters gewiss. David war der Gnade Gottes gewiss. Ob König oder Sklave, die Gewissheit der Gnade Gottes macht uns frei, wenn die Tage böse werden. David Tarjan |