Frischer Wind durchwehte das Land Israel. Jesus hatte 70 seiner Jünger ausgesandt in Städte und Dörfer, um das Reich Gottes anzukündigen. Unterstützt wurde ihre Verkündigung von Erweisen der Macht, die Jesus ihnen verliehen hatte. Sie konnten Kranke heilen und Dämonen austreiben.

Diesen Bericht finden wir im Lukas-Evangelium im 10. Kapitel. Hier zeigt uns Lukas, worum es bei der Verkündigung des Evangeliums geht! Es geht um das Wesen des himmlischen Vaters. Das Evangelium macht uns bekannt mit dem Wesen Gottes. Als die 70 von ihrem Streifzug durch das Land Israel zurückkamen waren sie voll Freude über das, was sie erlebt hatten: Herr, auch die Dämonen sind uns Untertan Kraft deines Namens. Das war beeindruckend für sie; kein Wunder, war ihre Freude gross.
Aber Jesus stimmt nicht ein in ihre Freude, sondern beginnt, sie zu berichtigen. Luk.10,20
War das die falsche Freude, die falsche Weisheit, sich über Nebensächlichkeiten zu freuen und für die Hauptsache zu stumpf zu sein? Was heisst das? Eure Namen sind im Himmel aufgeschrieben? Das heisst, dass sie bereit waren, von Jesus zu lernen und die Rettung in Christus anzunehmen. Das möchte Gott von allen Menschen.

Kurz danach äusserte Jesus eine Freude, die uns wiederum unverständlich erscheint.
Luk.10, 21-22: “ In eben dieser Stunde sprach er frohlockend, erfüllt vom heiligen Geist: Ich preise dich, Vater, Herr des Himmels und der Erde, dass du dies vor Weisen und Verständigen verborgen und es Unmündigen geoffenbart hast. Ja, Vater, denn so ist es wohlgefällig gewesen vor dir. Alles ist mir von meinem Vater übergeben worden, und niemand weiss, wer der Sohn ist, als nur der Vater, und wer der Vater ist, als nur der Sohn und wem es der Sohn offenbaren will.
Wie kann Jesus so etwas sagen, dass der Vater dies vor Weisen und Verständigen verborgen hat?

Der Schlüssel für das Verständnis liegt in Vers 22. Jesus sagt: “niemand weiss!” Niemand weiss, wer der Sohn ist, und niemand weiss, wer der Vater ist. Das ist Einzigartigkeit. Der Sohn ist der Einzige, der den Vater kennt, nur er kann es offenbaren.

Wie ist es möglich, dass Jesus sich darüber freuen kann, dass der Vater dies vor Weisen und Verständigen verborgen hat?
Dies! Damit ist die Erkenntnis des Vaters und des Sohnes gemeint. Gott hat “dies” nicht bloss verborgen, sondern auch geoffenbart, und zwar den Unmündigen, denen, die nicht in Geltung stehen, die keine Beachtung finden und kein Ansehen geniessen in der Welt.

Jesus ist der Einzige, der den Vater versteht, der weiss, warum der Vater dies vor Weisen und Verständigen verborgen hat.

Wie beurteilen die Weisen und Verständigen das, was der Vater tut durch seinen Sohn? Sie halten es für Torheit. Sie sind zu stolz, sich dem Aufruf zur Umkehr zu fügen, zu stolz, um im Kreuz das Angebot des Heils zu erkennen.
1.Kor.1,18-31

Wir dürfen Jesu Freude nicht mit Schadenfreude verwechseln, er freut sich über jeden Sünder, der umkehrt.

Was in der Welt als etwas Hohes gilt, ist vor Gott ein Greuel. Im Vergleich zum Stolz der Weisen und Verständigen hat Jesus eine ganz andere Haltung, eine Haltung, die dem Wesen des Vaters entspricht.
Jesus konnte sagen: ”Nehmet mein Joch auf euch und lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen.” Mt.11,29
Nachdem Jesus seinen Lobpreis beendet hatte, wandte er sich an seine Jünger und sagte: ”Selig sind die Augen, die sehen, was ihr seht; denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige haben gewünscht, zu sehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen, und zu hören, was ihr hört, und haben es nicht gehört.” Luk. 10, 23

Was haben die Jünger gesehen und gehört, was so lange verborgen war? Das kostbare Wesen des Vaters und des Sohnes. Seine Weisheit und Liebe, seine Barmherzigkeit und Demut, seine Heiligkeit und Hoheit! Sein Reich!

Nicht aufgrund der Weisheit dieser Welt werden die Menschen den Weg ins ewige Leben finden, sondern wenn sie hellhörig werden für das Wesen des Vaters, für seine Weisheit.

Das Reich Gottes sucht nicht die Weisen und Verständigen, sondern die Unmündigen, die die Demut haben, sich das Wesen des Vaters offenbaren zu lassen.

Wolfram Schrader